Thränen zitterten durch Magnus’ Stimme, als er den Sanitätsrat beim Fortgehen nach den Aussichten fragte.
Der Arzt hob die Schultern langsam empor, preßte die schmalen, bartlosen Lippen vollends ein und hob die grauen Büsche der Brauen über den freundlich und gutmütig blickenden Augen. Da er Thränen über die Wangen von Magnus stürzen sah, tappte er ihm auf die Schulter: »Was machen Sie für Geschichten!« schien dies stumme Tapfen zu sagen.
»Sie begreifen, Herr Sanitätsrat ...«
Es schien ein Appell an den Menschen. Dr. Herz war nicht der Hausarzt der Familie Joël, aber er hatte den jungen Joël, dem jener andere zu weit ab wohnte, gelegentlich eines flüchtigen Leidens hier in derselben Wohnung behandelt.
»Machen Sie sich keine Gedanken, junger Herr!« fiel er ein. »Wir Ärzte sehen und hören nur, was wir wollen. Wir erleben hier in Berlin jeden Tag einige Romankapitel.«
Nach einer kurzen Pause: »Leben die Angehörigen der Dame hier in Berlin?«
»Beide Eltern.«
»Sie thäten gut, dieselben zu benachrichtigen.«
»Oh!«
»Es wäre das Beste — und möglichst bald, ehe Sie eine noch viel schlimmere Verantwortung übernehmen. Ich kann Ihnen übrigens für die Nacht und überhaupt eine Wärterin senden,« (mit einem bedeutsamen Blick nach der Schlafstube: — Frau Gornemann möchte er die Kranke nicht anvertrauen!)