»Ich bleib’ nicht — ich steig’ aus!« Das »ich« stark betont. Sie wollte sich wenigstens in einem Hotelzimmer in Ruhe ausweinen; die verhaltenen Thränen erstickten sie noch!

»Du nimmst mich doch mit?« höhnte er.

»Wir kehren sofort um und reisen nach Hause!« (Der Klang ihrer Stimme hatte etwas Kochendes.)

»Bon!«

Nichts Brutaleres, als der Kanonenschuß. dieses »Bon!« O, wie sie ihn haßte! Er hat kein Gefühl — er hat kein Herz — nicht einmal Verstand, sonst würde er an diesem wildfremden, harmlosen Menschen nicht ihr Glück, ja, ihre Zukunft scheitern lassen! Er ist nichts anderes wert, als daß man sich von ihm — trennt! Gottlob, das ist das richtige Wort! Es ist heraus! Ist doch die Hochzeitsreise das Symbol des künftigen Ehelebens. »Es giebt nichts Lächerlicheres ...« fort und fort summte ihr das im Ohr. Wohlan!

»Hast du die Schirme, Fritz?«

»Ja!« Scharf abgehackt.

»Hast du den Bädecker nicht liegen lassen, Anna?«

»Nein!« Ebenso scharf abgehackt.

Es war an diesem Abend kein vernünftiges Wort mit einander zu reden. So schien es ihm das Beste, daß sie sich in ihrem Hotelzimmer zu Koblenz tüchtig ausweinte, wenn dieses Mittel nun einmal angezeigt ist. Er trollte also den Abend über in der Stadt und am Rheinufer umher, besuchte ein Wein- und zwei Bierhäuser, ganz der alte Junggeselle. Und eine schier dämonische Sehnsucht nach der früheren Ungebundenheit reizte ihn. Unter welche unerhörte Lächerlichkeiten muß man sich ducken! Welchen empörenden Demütigungen durch ein Nichts ist man ausgesetzt! Natürlich kehren wir nach Hause zurück, meinetwegen — ich bin zu allem bereit!