Ich hatte in einem Sturm ihre Hand erfaßt. Sie zuckte in der meinen, aber sie entzog sie nicht.

»Ich bin nichts« — fuhr ich fort; »vor wenig Tagen war ich ein Verlorener. Sie haben mich mir selbst zurückgegeben. Ich bin nichts, aber mit Ihnen vereint, werde ich wieder alles sein. Wir werden mit vereinten Kräften dieser häßlichen Lage Herr werden. Es wird alles gut, wollen Sie mein Weib werden?.. wollen Sie ...«

Sie blieb stehn. Ihre Augen weiteten sich, und ihr nach vorwärts ins Leere gewandter Blick erstarrte. Ihre geöffneten Lippen bewegten sich — aber kein hörbares Wort kam über dieselben. Nun entwand sie mir langsam ihre Hand. Nun schlug sie die Hände gegen das Gesicht, suchte für die Ellenbogen einen Halt auf der steinernen Balustrade, und das Antlitz fest in die Hände gepreßt, blieb sie regungslos. Nur das Stürmen ihres Atmens.

»Helene ... Ich liebe Sie, Helene! Ach, wie ich Sie liebe! Sie sollen glücklich werden, wie Sie es verdienen! Ich schwöre es bei diesen Sternen, daß ich Sie glücklich machen will ...«

Langsam senkte sie die Hände. Ihr starrender Blick blieb geradeaus in die Weite gerichtet. Hinter dem Felsen von Monaco war der Mond im Aufgehen, und trotzig, gewaltig, in schwarzer Silhouette zeichnete sich dieser Felsen gegen die silbern heraufdämmernde Helle. Ein fahler Schimmer, der Abglanz des Sternenhimmels, bedeckte die See, doch in greller Weiße leuchtete der Schaum der Brandung herauf.

Nun löste sich die Starrheit in ein stummes, langsames, verneinendes Wiegen des Kopfes. Tonlos kamen die Worte über ihre Lippen:

»Sie sind gut. Ich danke Ihnen, o, ich danke Ihnen! Ich weiß, ich wäre glücklich geworden an Ihrer Seite. Wollen Sie sich an diesem Bekenntnis genügen lassen? — anderes kann nicht sein — es darf nicht sein! Kommen Sie!«

Dann nach einigen Schritten fuhr sie in derselben dumpfen und tonlosen Weise fort, ohne mich anzusehen:

»Ich habe meiner Mama auf ihrem Sterbebette das Versprechen gegeben, daß ich den Vater nicht verlassen will, daß ich ihm eine Hüterin und Helferin durch das Leben bleiben will —« Und da ich stutzte: »Daß Sie ihr, der Verklärten, solches nicht zur Last legen! Ich gab das Versprechen freiwillig, um ihr über die Qual der letzten Stunde mit solchem Trosteswort hinwegzuhelfen. Aber wenn ich ihr es auch nicht in Worten gegeben hätte, hier im Herzen stand das Gelöbnis fest —«

»Sie sollen und dürfen ihn auch nicht verlassen! Wir würden beide gemeinsam seine Tage behüten.«