»O Gott, was ist denn das?« jammerte eine matte Frauenstimme.

Magnus stutzte. Er hatte mit Frau Gornemann ein Märchen vereinbart, und da war dieser verdächtige Punkt, daß Emmy das Geschäft wider die Gewohnheit um sieben Uhr statt gegen neun verlassen, übersehen worden. Zu einer anderen Zeit hätte ihn der Gedanke angewidert, sich mit dieser Frau gemeinsam auf krumme Wege zu begeben, denn er war Berliner genug, um hinter dem »Witwentum« von Frau Gornemann eine schwüle Vergangenheit zu wittern. Aber die entsetzliche Verlegenheit drängte.

»Je kräftiger Sie flunkern, desto eher wird Ihnen geglaubt, Herr Joël!« lautete die Parole, die seine Vermieterin ihm auf den schweren Gang mitgab.

Wohlan! Und er klopfte an die Thüre.

»Herr—rein!«

Ein kräftiger Mann, schwarzhaarig, mit argwöhnisch spürenden dunkeln Augen blieb in seinem aufgeregten Gange durch die Stube halten. Diese war mit Möbeln und Hausgeräten überfüllt, am Fenster stand ein altes Tafelklavier aus gelbem Kirschbaum.

»Ich komme, um Ihnen Nachricht von Ihrer Tochter zu bringen —« brachte Magnus ziemlich sicher hervor.

Mit einem Freudenschrei schoß eine kleine Frau mit einem kümmerlichen Gesichtchen, das die Angst nun vollends verstört hatte, aus einem Winkel empor.

»Wo ist sie? — Sie haben Nachricht? — Um Gotteswillen, wo ist sie?«

Gleich wandelte sich die Freude in Schreck. Magnus sah, wie die zarte, gebrechliche Frau am ganzen Leibe vor Aufregung zitterte.