»Ihre Tochter lebt! Sie brauchen nicht das Ärgste zu denken!« rief er.

Herr Köster spannte die Augen. »Du kannst gehen, Karl,« sagte er zu dem Knaben, welcher der Überbringer der Nachricht von Kapp und Müller gewesen. Als fürchtete er, des Nachbars Kind könnte Dinge über seine Tochter zu hören bekommen, die sich nicht für die Verbreitung im Hause eigneten. Er argwöhnte immer nur das Schlimmste.

»Also Ihre Tochter ist gestern Abend auf der Straße plötzlich erkrankt. Ich war zufällig in ihrer Nähe. Sprang noch rechtzeitig heran, sonst wäre sie auf das Trottoir hingestürzt. Wir brachten sie ins Haus. Es wurde ein Arzt gerufen und der erklärte sofort —«

»O Gott!« stieß Frau Köster aus, und sie bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen.

»Verhehlen Sie uns nichts!« rief Herr Köster — »wir sind auf alles vorbereitet nach dieser Nacht!«

»Ich bitte, sich zu beruhigen! Der Doktor, den ich — den wir sofort rufen ließen, erklärte es nicht für sehr gefährlich — ein leichter Blutsturz —«

»Warum hat man sie denn nicht zu uns gebracht? Oder noch besser zur Charité, wo sie jedenfalls die sicherste Hülfe gefunden« — fiel jener ein.

Die arme Mutter zuckte entsetzt bei dem Worte »Charité« zusammen, als bedeute das den Gipfel der Schande.

»Der Doktor erklärte sofort, daß die Kranke nicht weiter transportfähig —«

»Wir müssen gleich zu ihr, Frau! Hier hilft kein Jammern und kein Besinnen! Wo ist es, wenn ich bitten darf?«