»Charlottenstraße 55a bei meiner Wirtin« — (das klang nicht gut!) »bei einer Frau Gornemann,« verbesserte er sich. »Eine barmherzige Schwester war die Nacht über da. Es ist für alles gesorgt. Sie können ganz ruhig sein.«
»Mein Name ist Joël —« fügte er zögernd, mit einer leichten Verbeugung hinzu. Er hätte in diesem Augenblick viel darum gegeben, wenn er nicht diesen stadtbekannten Namen trüge.
»Ach — von den Joëls in der Leipzigerstraße?« fragte der Vater heftig. Gleich stürzte sich sein Argwohn auf den Namen.
Magnus nickte. Kann es unter den reichen Leuten denn keine Ehrenmänner geben?
»Wie kam — wie kam das Mädchen denn um sieben Uhr in die Charlottenstraße, Herr Joël?«
Magnus erstaunte selbst später über seine Geistesgegenwart, die diese Frage nach kürzestem Zögern parierte:
»Die Dame war, so viel ich herausbekam, im Auftrag von Kapp und Müller ausgegangen ...«
Doch Frau Köster schnitt all diese Abschweifungen von der Hauptsache mit der Erklärung ab, daß sie vor allem hin müßten — gleich auf der Stelle! O, sie läßt sich nur vom ersten Schreck so niederducken — nachher findet das Schicksal sie stets gewappnet!
»Darf ich Ihnen meine Droschke zur Verfügung stellen? — sie ist bereits bezahlt,« fragte Magnus.
Sie nahmen das Anerbieten an, und er empfahl sich, froh aufatmend. Doch da draußen auf der Straße fiel der Jammer über den drohenden Verlust der Heißgeliebten wieder über ihn her. Während er im Sonnenschein durch das Gewühl der Rosenthaler Straße schritt, stürzten ihm plötzlich Thränen aus den Augen. Und ein Gefühl, daß nachdem, wenn sie ihm geraubt würde, das ganze Leben für ihn keine Bedeutung mehr hätte, legte sich gleich einem Schleier über seine Sinne. —