Er trinkt! der Junge trinkt! — Als wenn ein hochwichtiges Ereignis das ganze Haus in bebender Spannung hielte. Gott gelobt, es schmeckt ihm wieder! Mein Frauchen sank mir mit Thränen der Rührung und Freude an die Brust.

Es dauerte eine gute Weile, bis die Res’ wieder erschien. Sie war selbst rot vor Glückseligkeit über den gelungenen Streich. Sie stand in der Thür, und mit erhobenen Armen, wie triumphierend, hielt sie uns das Knäblein hin; freudig lächelnd nickte sie uns zu »Gelle ...«

Das Gesichtchen des Kleinen blühte in einem zarten Rosa, fast schien es, als hätten seine Bäckchen schon zugenommen. Jetzt reckte und dehnte er sich, bald darauf neigte sich sein Köpfchen zum Schlaf.

Wie kräftig er schlief nach solcher Mahlzeit! Wie wohlig er atmete! Wie wir Großen den Atem anhielten, daß er nicht aufwachte! Flüsternd ward die Unterhaltung geführt. »Ich bleib’!« sagte die Res’, und sie war erstaunt, daß wir das nicht ganz natürlich fanden.

»Aber Res’, liebe gute Res’, dein Junge! du kannst doch nicht abkommen?« wehrte meine Frau.

»Nix da! ich bleib’! Ob ihr mich habbe’ wollt oder nit! Der Bub’ soll mich schon habbe’ wolle’. Mei’ Jung — ach der Kujon der! der Spitzbub’! Der hat genug kriegt. Bub’, jetzt kommt ’e Anneres ’ran, bis’ still, sagt’ ich, weil er flennen wollt. Jetzt kriegste Fleisch un’ Wei’, gelle! sagt’ ich. Kiedricher Ausles’!« Und sie lachte. »Jetzt kann er sich mit dem Spitzbub’ plag’n (sie meinte ihren Mann), ich bleib’! hier gehör’ ich hin, nit anners!«

Zuletzt wollte sie ärgerlich werden, daß wir so viel Wesen machten. Es war so selbstverständlich: — sie bleibt und damit fertig!

Und sie blieb. Der Bub’ hätte gewiß nicht anders entschieden, wenn er befragt worden wäre. Er regalierte sich so. Sichtlich lebte er auf. Die Bäckchen begannen sich zu runden, und die gelbliche Blässe verschwand; seine Augen strahlten fröhlich — o er spielte den Großmütigen, nun, da er im Vollen saß, und er trug uns nichts nach, uns anderen!

»Er«, der Mann, erschien nicht, wie sie verkündet, um ihre Sachen zu bringen. Er hätte zu viel »ze schaffe«, ließ er sagen. Statt dessen erschien der Lehrjunge, ein langes Geschöpf mit losen und schlenkernden Gliedmaßen, mit einem merkwürdig kleinen Kopf und ungeheuren schwärzlichen Händen, die mit Narben und Rissen bedeckt waren.

Was denn der Kujon machte, fragte Frau Res’, »is er staats brav?«