Mein Verdacht war dennoch nicht unbegründet gewesen. Eine Weile darauf kam die Res’ von einem Ausgang heim, aufgeregt, mit stürzenden Thränen. Ihr Bub’ — ihr armer kleiner Schelm! — Was denn? — Nun, sie hatte den Lehrjungen auf der Straße getroffen; es war ihm vom Manne verboten worden, zu ihr zu gehen, damit er nicht plauderte. Also der Bub’ war so krank gewesen. Sie hatten den Doktor, und sie meinten, sie meinten — dabei wären dem Jungen die hellen Thränen über die Wangen gelaufen: er hat den Bub’ so arg gern! — Der Meister wär’ doch in der Stadt gewesen, um sie zu holen und .... und ....
Ich vollendete für sie: und als er unseren Kleinen sah, wie sehr der gedieh, aber wie viel ihm doch noch mangelte, und daß er die Res’ nicht entbehren könnte, die ersten sechs Wöchelchen ganz sicher nicht, da hat er nichts gesagt und ist unverrichteter Dinge nach Haus zurückgekehrt. Der liebe Gott wird nicht so grausam sein!
»Sofort, Res’, werden Sie sich aufmachen und nach Haus fahren!«
»Naa — o naa!« — sie erschrak so. »Und der Bub’ da! Des wär’ mer ei’ schöne Geschicht’! Meiner is ja widder besser. Ich will hin mache’ und gucke’, abends bin ich wieder hinne.« —
Gut also, wir setzten sie auf die Bahn, und sie fuhr nach Haus. Am Abend war sie wieder zurück: — Gottlob, ihr Bub’ erholte sich wieder! Aber »er« hat den Lehrjungen fast kaput gehauen.
»Warum denn?«
»Weil er gebabbelt. Ich sollt’ nix wisse’. Weil ich doch nit fort könnt’, und die Angst, die ich mir mache’ dhät, könnt unserm Bub’ hier schade’.«
Zum Teufel die Pessimisten! Was giebt es doch für brave, für tapfere, herrliche Menschen!
Wir verlangten, daß sie wenigstens ihren Kleinen sofort herholte, damit wir ihn gemeinsam mit dem unsern in Pflege nähmen.
»O — naa! — des darf ich »ihm« net andhue’! Aber .... aber wenn ich mit dem da hinmache’ dhät’?«