Schnell verrichtete sie noch das Nötige, stellte die Ordnung wieder her, bespritzte die Thonfigur mit Wasser und umhüllte sie sorgfältig mit den Tüchern. Dann fort — die seltsame Unruhe zog sie hinweg wie mit unsichtbaren Armen. Sie schloß die Atelierthür ab und versteckte den Schlüssel an dem bestimmten Platz unter einem losen Ziegel seitwärts der Thürzarge. Dann eilte sie durch den verwahrlosten Garten, in dem das Atelier, ein ehemaliger Pavillon, stand. Das Laub raschelte unter ihren hastigen Tritten, in der Luft ging ein rätselhaftes feines Gewinsel, anschwellend zu einem deutlichen Gestöhn, und dann wieder fast unhörbar verhauchend. Sie horchte wie gebannt — ach es ist ja nur der Wind! ... wenn sie nur wüßte, ob er an Land ist und in Sicherheit ... gewiß sitzt er längst warm und behaglich, unter fröhlichem Geplauder in einem Gasthaus!

Immer wieder der schwarze Sarg! — der schwimmt jetzt allein — die Punkte sind fort! — horch, rief da nicht jemand um Hülfe?

Da braust unweit ein Stadtbahnzug daher, sie war froh, daß das rollende Getös endlich die gespenstischen Töne verschlang. Und da draußen auf der Chaussee, die von heimkehrenden Menschen und Wagen wimmelte, verschwand auch endlich das Sarggesicht.

Sie fügte sich in den Menschenstrom ein, aber das schlenderte so langsam, in müder Behaglichkeit — ja hat sie denn solche Eile? Allerlei Rufe und Bemerkungen drangen an ihr Ohr, einige mit dem Lallen angehender Trunkenheit, wie man sich da und dort amüsierte, wie man die häßlichen Alltagssorgen da draußen in der freien Gottesnatur habe verwehen lassen, wie Bier und Kaffee geschmeckt und wie wohl das Schlendern durch den Wald gethan.

»Die auf dem Wasser draußen hatten ihre Not« — sagte einer. »Der Wind meinte es gut. Wer versäuft, hat selber schuld, warum gondelt er hinaus bei dem Wind —«

»Versäuft ... Ist denn einer ertrunken?«

Sie hatte sich erschrocken herumgewandt und richtete die Frage an den Sprecher. Der grinste sie lustig an: »Wohl Ihrer, Fräuleinken? Na keene Bange nich, ertrinken dhut heute mancher — ins Bier, Fräuleinken, der Wind macht höllisch durstig!«

An der Straßenecke erwartete sie einen Pferdebahnwagen, der, schwer mit Menschen überladen, heranrasselte. Sie erkämpfte sich unter den Herzudrängenden einen Platz auf dem Hinterperron und stand dort eingekeilt.

Zwei Herren links und rechts von ihr unterhielten sich an ihrem Gesicht vorbei.

»Am Kälberwerder — freilich eine verdammte Stelle bei dem Wind. Wann passierte es denn?«