»O durchaus nit! Aber nit wieder, gelt?« Sie hob drohend den Finger, und vor ihrem treuherzigen Kinderausdruck verschwor ich mich zu einer feierlich-komischen Entsagung in betreff des Lippenrechtes.

Ich hob abermals das Glas und hielt es gegen das ihre. »Also morgen auf dem Gürzenich!« Und der Übermut trieb mich von neuem: »Du bist das Süßeste — Lieblichste ... Du bist einfach famos!«

»Du bis’ geck!« rief sie, die Zähnchen im vollen Blinken.

»Geck laß Geck elans!« die uralte Kölner Karnevalsdevise. »Das heißt, nicht elans« — verbesserte ich mich. »Wir wollen uns nicht vorbeischlüpfen, sondern tüchtig amüsieren.«

»Du bis’ einer!«

»Also doch — Du?«

Wieder flog das Purpur über ihre Wangen. »Ich mein’ Deine Kapp’. Aber nun adjes!«

»Mein Fräulein! Ah so, adjes! — und Du, nicht?«

Sie nickte, und ich nickte wieder, als wären wir zwei alte Bekannte. —

Nichts leichter, als sich auf einem Kölner Karnevalsball zu verfehlen, zumal in der weiten von Säulen getragenen Halle des altehrwürdigen gothischen Kaufhauses, Gürzenich genannt. »Dritter Pfeiler links um die Ecke —« hatte die Schelmin befohlen. Und Ihr hättet von der achten bis fast in die elfte Stunde hinein an einem Pfeiler auf der linken Saalseite eine gewisse Bauernmaske (das traditionelle Kostüm der Kölner Garnisonherren) halten sehen können, die mit Gamaschen bekleideten Beine übereinandergeschlagen, ein Bild des immer mehr enttäuschten Unmuts, die Miene immer weniger passend zu dem lustig gekräuselten Puderhaar, von dem die bäuerliche Trikotmütze tief herabhing auf den blauen Kittel, und zu dem keck und eroberungslustig gestreiften Schnurrbärtchen. Eine Verabredung wie eine andere! — ein Karnevalswort bindet nicht! Doch was soll ich mich hänseln lassen von vorbeistreifenden Masken? Was soll ich hier noch weiter Posten stehen, während rings um mich her der Ball in ausgelassenen Wirbeln tollt, Tanz und Lachen und ferner Gläserklang und der ganze prächtige reich dekorierte Saal, dessen gothische Schnitzbögen mit närrischen Emblemen behangen sind, vibrierend wie in einem Schauer unbändiger Lebensfreude? Was soll ich mich auch nach dieser zweiten Nacht von der Erinnerungsvision süßmagischer Augen verhexen lassen, nachdem ich schon die vorige schlaflos in Erwartung kommender Abenteuer verwacht? Ah bah — und ich wollte mich aufs Ungewisse in den hohen Wellenschlag hineinstürzen.