»Was sind das denn für Dummheiten?!« — In meinem Zorn fuhr es mir heraus.

»Ich will Dir alles sagen, g’rad heraus —« flüsterte sie, »nur jetzt noch nit — da draußen!«

Sie wies auf die Hafenmauer, wo durch das geöffnete Thor die Rheinweite durch den streichenden Schnee herüberdämmerte.

»Es ist so, wie ich Dir sagte —« sie zwang sich absichtlich zu einem reineren Hochdeutsch — »ich weiß, was ich thue, und ich habe nicht nur kokettiert mit meinem Schicksal, jammern thu’ ich auch nicht. Kontrakt ist Kontrakt. Heute früh geh’ ich nach Maria im Elend und laß mir ein Kreuz hier auf die Stirn malen. Ich habe zwar kein Verbrechen begangen. Ich kann alles beichten. Ich bin ein Kölner Mädchen, und ich hätte können mein Leben lassen für diesen einen Karneval. Jetzt erst recht, da ich Dich getroffen —«

»Du Liebe, Liebe, Einzige ...«

»Psch! —« wehmüthig lächelte sie. Und wir schritten über die Hafenbrücke nach dem Thore zu.

Es war eine rauhe winterliche Scenerie. Der Rhein ging mit Eis, auf der graugrün flutenden Wasserweite schoben die Eisschollen, mit schmutziggrauem Schnee bedeckt, stromab, hie und da wie drängend im wilden Ingrimm, und dann wurde das eintönige Geräusch des Wassers überschallt von dem metallischen Aufeinanderprallen der Schollen und dem splitternden Geknirsch. Drüben am andern Ufer, undeutlich schwankend in dem schrägen Schneetreiben, dämmerte die flache Silhouette von Deutz, die Bäume und Häuser von der Überflutung gleichsam halb versenkt unter den Horizont.

Nach ein paar Schritten hielt sie plötzlich. »Du, nun will ich Dir’s sagen. Ich heirat’ — ich muß!«

Ich prallte zurück aus ihrem Arm, obgleich ich doch dergleichen ahnen mußte.

»Ich hab’ mich lang genug gewehrt dagegen. Aber es ist das beste schon — eine gute Partie. Seine Eltern und meine wünschen es. Ich hab’ mich lang gewehrt. Er ist ein braver Mann, ich werde es gut haben. Aber ...«