Sie reichte mir die Hand. »Nun gehst Du hier außen, ich gehe innen an der Mauer. Ich bitt’ Dich, laß es uns nit zu schwer machen, laß die Mauer zwischen uns sein.... Und nun Anavang!«
»Drückchen, liebes Drückchen!«
Aber nichts als das streifende Schneewehen und die melancholische Weite der von Schollen bedeckten Rheinflut. Sie war verschwunden. —
Auf einem Umwege über die feste Rheinbrücke, denn die Schiffbrücke war des Eisgangs wegen ausgefahren, gewann ich Deutz. Hier bliesen schon die Signale zum Dienst, und schnell den Puder aus den Haaren gebürstet, und schnell in die Uniform geschlüpft — »Eins-zwei! Eins-zwei! ...«
Ich habe mein herziges Faschingslieb nicht wieder gesehn, so viel ich in meiner thörichten Sehnsuchtshoffnung nach ihr spähte. Viele Sonntage lang fand ich mich in Sankt Maria im Elend zur Messe ein — vergeblich! Aus — alles aus! Wie sie gelobt.
Und das brutale »Eins-zwei! Eins-zwei!« des Lebens fuhr auslöschend auch über diesen Liebestraum.
Der Tellsschuss
Ein Beben der Spannung rieselte über den dichtgefüllten Saal, als die Geschworenen nun endlich nach langem Harren hereintraten, um ihr Votum abzugeben.
Der Angeklagte erhob sich in seinem Verschlag, aber jedermann wußte, daß dies nicht aus Erregung geschah — Erregung bei einem Miska O’Brell, dem berühmtesten Kunstschützen diesseits und jenseits des Meeres, der euch mit seiner Pistole das As in der Karte auf 30 Schritte herausschoß! Hoch aufgerichtet stand er da, eine Statue der Kraft und der Energie, das wie in Bronze getriebene Gesicht etwas seitwärts gewandt, an der Loge der Geschworenen vorbei, als hielte er es nicht für gut, daß die braven, behäbigen Biedermänner dort seinem direkten Blicke ausgesetzt würden.