»Er hat ein paar Augen, man meint, sie müßten jeden Augenblick mit einem Knall losschießen —« hieß es im Publikum.

»Ein so schöner Mann —« kam es beklommen von Damenlippen.

»Aber seine Frau, die er getötet, war nicht minder schön —«

»Getötet — wie das klingt! Es war doch nur ein unglücklicher Fehlschuß!«

»Er wär’ es aber wohl im stande gewesen!«

»Geht das Gericht doch nichts an! — na, wir werden ja sehn!«

»Psch!«

Die sonore Stimme des Gerichtspräsidenten hallte durch die auch nicht von dem leisesten Knistern belebte Stille; in der Hand des Obmanns der Geschworenen sah man den Zettel, auf dem das Resultat der Beratung stand, deutlich zittern.

Viele, die jetzt als Zuschauer der Scene beiwohnten, waren vor Monaten auch Zeugen der erschütternden That gewesen, und jetzt in der atembeklemmenden Stille stand das Ereignis wieder vor ihnen.

Kapitän Miska O’Brell war seit Wochen die glänzendste Spezialität des »Eldorado« gewesen; seine Leistungen wirkten verblüffend auf den Laien wie auf den Kenner; um so eifriger drängte man sich zu der Produktion, als sein Weib dabei eine gefahrvolle Rolle zu spielen hatte — und dies Weib war schön und liebreizend. Noch haften auf einzelnen Anschlagsäulen die bunten Reklamezettel, die ihr Porträt neben dem ihres Gatten zeigen: ein süßes, fast kinderartiges Gesicht, von blonden Locken umrahmt, naiv lächelnd, als wollte es die Zuschauer beruhigen: »O, auf meinen Miska ist vollkommen Verlaß, er wird mich nicht treffen!«