»O!« — und ich prallte entsetzt zurück. Hatte die Haft und der fortwährende Gedanke an das Fürchterliche seinen Verstand aus den Fugen gerückt?

Er mochte solchen Verdacht aus meiner Miene lesen — wieder zuckte das ironisch bittere Lächeln um seine Mundwinkel.

»Es ist kein Märchen, das ich Ihnen da aufbinde, verehrter Herr! Ich liebe dergleichen nicht! Es ist so, ich habe sie mit Absicht getötet — — seit zwei Jahren ging ich mit dem Gedanken um — endlich war die Zeit da —«

Es war eine grauenhafte Ruhe, mit der er das vorbrachte. Stumm stierte ich ihn an, es war, als starrte mir das Blut zu Eis.

»Ich möchte nicht, daß Sie mich für eine Bestie hielten! Auch sollen Sie nicht denken, daß ich mich wie ein sentimentaler Schwächling habe hinreißen lassen. Getötet ist auch der falsche Ausdruck — ich habe sie gerichtet! Sie hätte vor zwei Jahren bereits exekutiert werden sollen, ich habe die Vollstreckung nur hinausgeschoben —«

»Sie ist Ihnen untreu gewesen —« entfuhr es mir wider Willen. Natürlich, so wie wir alle den Kapitän vom Scheibenstande kannten, war das Motiv der unseligen That Eifersucht gewesen.

Er nickte. »Untreue ist ein weiter Begriff. Die Untreue, die sie ihrem ersten Gatten leistete — meinetwegen, wäre vielleicht in den Augen der Welt eher eine Schuld gewesen als diese da. Bei uns Künstlern drücken die Ehegatten wohl ein Auge zu. — Kokettieren und süße Augen machen gehört zum Geschäft. Lächeln und lächeln — besonders zu unserm Tellsschuß gehört ein solches Engelsfrätzchen, sonst macht die Pièce keinen Effekt! Da kann man sich denn freilich der Blumenspenden und anonymen Billets und selbst kostbarerer Dinge nicht erwehren. Ein Weib ist ein Weib! Sie aber kannte die Gefahr, ich hatte ihr vordem schon öfter gedroht, sie zu erschießen, wenn sie sich auch nur das Gelüst zu einer Untreue zu Schulden kommen ließe.«

»Zu Pest geschah es also, es war ein bekannter magyarischer Don Juan, der ihr wahrhaftig den Kopf verrückt haben mochte. Hol’ der Teufel die Weiber! Es giebt keine Treue schlechtweg — die mangelnde Gelegenheit, das ist die Treue!«

»Ich forderte den Kerl. Er schlüge sich nicht mit einem Artisten, hieß es. Und sich vor die Pistole eines Kapitän O’Brell stellen, wäre eine Borniertheit! Da könnte er sich lieber gleich selbst eine Kugel durch den Kopf jagen — und dazu hätte er keine Lust.«

»Gut, ich wollte ihm das besorgen und ihn wie einen Hund über den Haufen schießen — sie aber flehte mich auf den Knieen, davon abzustehen. Also liebte sie ihn?! Ich hätte sie damals schon töten sollen, und ich wollte es auch — — aber mein Gott, mein Gott ...«