Da fuhr er auf, seine Augen loderten: »Unmöglich!« schrie er schrill. »Es giebt keine Maschine in dieser Welt, die so sicher fungiert wie diese Hand!«
Und er schüttelte die hocherhobene Hand. »Eher fällt der Mond vom Himmel!«
Es war das Grauenhafteste von allem, den Wahnsinn des Künstlerstolzes zu sehen, der eher einen Mord zuließ, als daß er selbst an seiner Unfehlbarkeit rüttelte.
Sechs Variationen
über ein bekanntes Thema
»Sie liebten sich ...«
So begann die Erzählung. Die kleine freundliche Alte legte das Buch auf den Fenstersims und ein gewisses altmodisches, aus Wehmut und Wohlwollen zusammengesetztes Lächeln glitt über ihre elfenbeinblassen Züge. Sie lieben sich ... das uralte, ewig unerschöpfliche Thema! Werden die Herren Dichter und Geschichtenschreiber denn nicht müde, es fort und fort anzustimmen? Und so viel Herzen, so viel Variationen! Auch durch die Saiten ihres Herzens hat einst das Thema geklungen, in süßen, leidenschaftlichen, jubelnden, elegischen, schrill abreißenden Tönen. Aus den Schicksalen von Freunden und Verwandten tönt es zu ihr herauf; und nicht allein die Romane, Idyllen und Tragödien, die das Leben gedichtet, auch die Kopien, Plagiate und eigenen Melodien der Geschichtenschreiber finden sich ein. Sie hat viel gelesen, in frühreifer Jugend, mit klopfendem Herzen, den Kopf voll Hoffnungen und Illusionen; dann später, als sie das Thema und seine Variationen mit dem freundlichen Auge der resignierten Kritik betrachtete.
»Sie lieben sich ...« Die alte Geschichte, aber es ist ein Abend, solche Dinge zu lesen, ein köstlicher Frühlingsabend voll Blütenduft und Vogelsang. Unten auf der Promenade wandeln geputzte Menschen nach dem nahen Walde, ein Brautpaar kommt daher, eng aneinander geschmiegt, eine Handwerkerfamilie ist um das Wäglein beschäftigt, darin das Jüngste wie ein Prinz ruht. »Sie lieben sich ...« Die klare, sonnendurchstrahlte Luft ist voll des Themas, und tausend Variationen schwirren umher.