»Herr Köster, hören Sie doch ...« bat Joël, von innigem Mitleid ergriffen.
»Lassen Sie mich! — es ist jetzt nicht der Moment — wir rechnen schon mit einander ab! — lassen Sie mich ...«
Und er wehrte Joël ab, zu folgen, während er eiligst um die nächste Ecke bog. Joël stand und sah der Gestalt des unglücklichen Mannes nach, wie sie, die Arme mit den geballten Fäusten in ohnmächtigem Grimm nach abwärts gesenkt, dahinwankte.
Wie verstört strich er selbst aufs Ungewisse durch die Straßen. Der Mann hat recht! Der Ruf des Mädchens ist vernichtet — kein Geld der Welt vermag ihn herzustellen, denn der Leumund glaubt nicht an die Schändlichkeit dieses Zufalls. »Welche Sühne könnte ich leisten? Blut wäre trivial — und widersinnig, ihm, dem Vater, solches anzubieten!«
Der Gedanke an einen Ausweg fiel ihn an. Sein Geschick für immer an das ihre zu fesseln? — sie zu heiraten? — Das bedeutete für seine Familie, für seinen Vater das Ende der Welt! — Und er belog sich, daß er dennoch den Mut haben würde, den Schritt zu thun, der ganzen Welt zum Trotz — wenn sie nur am Leben bliebe — nur das!
Aber sie wird und kann nicht am Leben bleiben! Der Sanitätsrat hat ihm erst heute Mittag jede Hoffnung geraubt.
Ein Eheversprechen? — das klänge hier im Angesicht des sicheren Todes wie ein entweihender Hohn.
Herr Köster erschien an diesem und dem folgenden Tage nicht mehr in Joëls Wohnung. Es war die stumme Ächtung, die er über sein armes Kind verhängte. Sein Starrsinn gebot ihm, eher grausam, ja brutal zu sein, als den Schein auf sich zu laden, daß er seine und der Seinen Ehre antasten ließe.
In der Villa Joël zu Charlottenburg wurde der Geburtstag des Chefs gefeiert; zugleich das Gründungsfest des Berliner Hauses. Magnus durfte und konnte nicht fern bleiben, ein triftiger Vorwand fand sich nicht. Doch würde er Gelegenheit erhaschen, sich zeitig genug zu entfernen — denn die Geliebte lag im Sterben.