Die Verschworenen hatten ihr Werk mit feiner List insceniert. Nach den ersten feierlichen Galatoasten erhob sich Herr Perkisch, der bekannte Tafelpoet, der, wie Koch und Lohndiener, in gewissen Kreisen zu den notwendigen Requisiten eines Diners gehört. In seiner schwungvollen Art feierte er das Glück des Hauses Joël. Nicht das gegenwärtige allein, sondern ein zukünftiges, das er mit einem ausdrucksvollen Zwinkern seiner schmalen Augenschlitze fern dort hinten auf der smaragdenen Wiese zwischen den weißen Pfauen aufsteigen sah. Und sein beim Reden vergnügt schmunzelnder Mund malte dies Glück in so verlockenden Farben aus, daß die beiden Schwestern ganz Begeisterung waren. Der von ihnen gedungene Tafelpoet konnte seinen Auftrag nicht effektvoller ausführen.

Alles zielte mit offenen und verstohlenen Blicken auf das Paar. Nun, nachdem Perkisch geendet und das erste Läuten und Klingen der Gläser verhallt war, wußten die Schwestern eine Art Cour vor dem Paar in Scene zu setzen. Sie traten vereint auf Magnus und Fräulein Helmons zu, und ihre Blicke, ihr Lächeln und die Art, wie sie mit den beiden anstießen, alles das sah wahrhaftig wie eine Gratulation aus! Andere folgten dem Beispiel. Hier und da wurde getuschelt — »noch nicht offiziell!« hieß es — »aber die Verlobung hängt in der Luft!«

Fräulein Helmons glühte, aber mit ihrem bezaubernden Lächeln überwand sie die seltsame Verlegenheit. Ihrem Herzen schien es wahrhaftig fast recht zu sein, wenn sich all diese versteckten Huldigungen zu einer wirklichen greifbaren Gratulation verdichteten.

Magnus ließ in seiner etwas linkischen Art den unbegreiflichen Sturm gegen sich anprallen. Zum Teufel, es kann doch kein Mensch auf der Welt mit klingenden Gläsern und Toasten zu einer Ehe gezwungen werden!

Eben fand sich der alte Papa ein, sein Rotweinglas (er trank nie Champagner) in der Hand, um zu »gratulieren« — wie soll man es sonst nennen? Über sein glattrasiertes, von einem silberschimmernden Kranzbart unter dem Kinn eingerahmtes Gesicht vibrierte ein Ausdruck verschmitzter Freude. Mit bekannter Artigkeit verneigte er sich vor seiner zukünftigen Schwiegertochter, und seinen liliendünnen Lippen entschlüpfte ein besonders liebenswürdiges Kompliment. Kräftig stieß er dann mit Magnus an, und seine grauen, schlauen Blinzelaugen forschten in dessen Miene: — »Nun, alter Junge?« rief er laut.

Zugleich erhielt Magnus von rückwärts einen Schlag auf die Schulter: — »Prosit Brüderchen!«

Es war Gisberts schnarrendes Leutnantsorgan, und das feiste, von einem unternehmenden Schnurrbart gezierte Gesicht des Lebemannes grinste ihn an.

Warum that der Duckmäuser auf das erhobene Champagnerglas keinen Bescheid? Magnus zuckte zusammen, sein Blick stierte wie gebannt nach dem einen Gartenfenster hin.

Gegen die sonnige Helle des Gartens scharf abgezeichnet, stand dort ein Dienstmann, einen Brief in der einen Hand haltend, während die andere schirmartig über den Augen erhoben war; sein von der Eile echauffiertes Gesicht weidete sich mit glotzender Neugierde an dem festlichen Gewirr hier innen. Seine Erscheinung wirkte wie eine lächerliche Trivialität; der Mann mochte irrtümlicherweise den Weg durch den Garten genommen haben. Ein Diener sprang hinzu und winkte entrüstet dem Eindringling ab.

Magnus erblaßte, und eine eisige Blutwelle ließ ihm den Atem stocken: — es ist die Todesnachricht!