»Ich bitte Dich, ich beschwöre Dich, Bruno! Es muß sein! Sie soll nicht mit dieser Schande belastet zu Grabe getragen werden! Der Makel soll nicht an ihrem Namen haften über das Grab hinaus!«
Der Geistliche hatte in Magnus’ Elternhaus verkehrt, er ahnte die Katastrophe und wagte darauf hinzuweisen.
Entrüstet wehrte Magnus. »Es ist alles gleichgültig! Eine Autorisation meines Vaters sagst Du — ich bitte Dich — der Tod autorisiert mich! — Du willst also nicht —?«
»Ich mache Dich darauf aufmerksam, daß diese improvisierte Eheschließung meinerseits ja doch keine gesetzliche Gültigkeit haben würde.«
Das klang mehr, als wollte der Prediger seine eigenen Zweifel damit niederschlagen. Und ein anderer Zweifel fuhr darein: ob Magnus sich wirklich zu dieser phantastisch zu nennenden Extravaganz entschlossen haben würde, wenn der Tod nicht endgültig seine Autorisation gegeben.
Doch der Beruf des Seelenretters erwachte in ihm, und er redete sich ein, daß er sich dieser an ihn herantretenden Pflicht nicht entziehen dürfte.
Gut, er wollte in einer Stunde zur Stelle sein, unter dem Vorbehalt, daß »später« die nötige Formalität nachgeholt würde.
Magnus eilte zum Juwelier und erstand die Trauringe. Dann hetzte er nach der Treskowstraße, fand Herrn Köster aber erst am zweiten Orte. Der Mann geriet außer sich vor Überraschung. Gleich aber war der alte unausrottbare Dünkel wieder da:
»Ich habe das auch nicht anders von Ihnen erwartet, Herr Joël!« rief er, diesen mit seinen fanatischen Augen anblitzend. —
Eine Stunde darauf fand die seltsame und in ihrer Seltsamkeit so ergreifende Feierlichkeit statt.