Schwester Jemima hatte einen Altar mit einem Kruzifix und einigen brennenden Kandelabern gerüstet. Dies konnte an eine andere — später vorzunehmende noch viel ernstere Feier, die dieser ersten folgen würde, gemahnen.

Als Trau-Zeugen waren zugegen die Eltern, Schwester Jemima und die Wirtin. Die Amtshandlung des Predigers fand in einem vorsichtigen Flüsterton statt, den die Stille des Sterbezimmers gebot — einige kurze einleitende Worte — einige inbrünstig hingehauchte Gebete, die der gewaltigen Tragik der Stunde entsprachen. Seine Stimme bebte — auch ihn meisterte die Rührung.

Die Braut schien nicht bei Bewußtsein zu sein — ein paarmal ging ein Aufhorchen über ihre Züge — die Wirklichkeit mochte sich ihr in einem Traume verdämmern.

Nun richtete der Prediger die rituellen Fragen an sie: — ob sie gewillt sei, dem Geliebten auf Tod und Leben die Hand zu reichen. Da zuckte ein so seltsam ungläubiges Lächeln um ihre vom Fieberodem geöffneten Lippen — langsam hob sie die Wimpern und starrte den Frager ungläubig angstvoll an: was will man denn? — was kommt man denn, mir solch ein Trugbild vorzugaukeln in dieser Stunde? — warum läßt man mich denn nicht in Ruhe sterben?

Nun fühlte sie, wie etwas Kaltes, Metallisches sich über einen Finger ihrer rechten Hand streifte. Dann wurde diese Hand von einer andern ergriffen, und sie fühlte wieder etwas Heißes darauf glühen — den Brand von leidenschaftlichen Küssen, die zwei Lippen darauf preßten.

Magnus war in die Kniee niedergestürzt, ihre Hand, die den Trauring trug, wie verzweifelt umklammernd.

Der Prediger hielt seine beiden Arme segnend über dem Paare ausgebreitet, und seine bebende Stimme flüsterte: »Der Herr segne Euch und behüte Euch — der Herr hebe sein Angesicht auf Euch —«

Da ward sein Flüstern durch Magnus’ hervorbrechendes Schluchzen unterbrochen: — »Nein, Du darfst nicht! Du darfst nicht gehen — mein Weib! — mein liebes, liebes Weib ...«

Gewaltsam mußten sie den halb Sinnlosen von dem Bette entfernen. —