Magnus war mehrere Tage nicht im Geschäft erschienen. Jetzt galt es, abermals vor den Vater hinzutreten und ihm Aufschluß über die veränderte Lage zu geben. Er fand den Alten in seinem Bureau nicht vor: der Chef sei mehrere Tage nicht erschienen, er sei unpäßlich.

Magnus erschrak — so gewaltig hat ihn also die Nachricht gepackt? — ihn, den nicht leicht ein körperliches Gebrechen von dem lederbezogenen Pult zu scheuchen vermochte. Er eilte nach Charlottenburg.

Die beiden »eisernen Schwestern« waren eben im Begriff, das Parterre zu verlassen, sie begegneten Magnus im Vorsaal. Frau Gisbert empfing ihn mit einer ironisch ceremoniösen Verbeugung, die Baronin Kehren trug ein verächtliches Mitleid zur Schau.

»Was fehlt Papa denn —?« fragte er besorgt.

Frau Gisbert zuckte ihre kräftigen Schultern: »Ja, ich bitte Sie — sagen Sie uns doch, was ihm fehlt! — Der Arzt und wir alle werden nicht klug daraus — vollkommen frisch und wohl und doch dabei Phantasieren — ohne eine Spur von Fieber!«

»Wir sind sehr besorgt« — fiel die Baronin mit ihrem leicht singenden Näseln ein, während sie vor dem Spiegel an ihrem Schleier ordnete, Magnus abgekehrt, »er phantasiert von einer Heirat — er behauptet — denken Sie doch — er behauptet ...«

Ein Kichern erstickte ihre Stimme.

»Ja, er behauptet« — ergänzte Frau Gisberts Alt — »er behauptet — es hätte Jemand namens Joël sich mit — einem Ladenfräulein verheiratet.«

»Haben Sie eine Ahnung, wer das sein könnte —?« näselte es vom Spiegel her.

»Wir haben Papa für krank erklärt und bestehen darauf, daß er sich nicht neuen Aufregungen dort im Geschäft aussetzt. — Wir sind sehr besorgt, wenn Sie mit ihm reden — so thun Sie ja nicht, als hielten Sie das allerliebste Märchen für eine Phantasie — das verschlimmert nur seinen Zustand — — Bist Du endlich fertig mit Deinem Schleier, Lyda?«