Sonderbar, daß jetzt zum erstenmal die Frage vor ihn trat: wird sie denn in das Opfer einwilligen, sobald sie davon erfährt? O, er kennt sie, sie wird nicht schuld sein wollen, daß er, der Joël einer, zum Bettler gemacht wird! Das wird sich finden. Es muß Zeit gewonnen werden, bis sie so kräftig ist, daß man sie vor den Entschluß stellen darf. Was dann, wenn sie sich in ihrer angeborenen Energie weigert? — Ach, das kümmert ja heute noch nicht!
»Ich verlange einen Aufschub —« sagte er kleinlaut, Gisberts Blick ausweichend — »ich kann mich heute noch nicht entschließen — nicht daß ich selber wankend wäre — ich weiß, was ich zu thun habe — aber es hat noch jemand ein Wort mitzureden —«
Gisbert war erstaunt über diese unerwartete Wirkung seiner Mission. Er fürchtete wieder alles zu verderben, wenn er noch weiter drängte.
»Bon!« rief er, »das läßt sich hören! Es freut mich, daß Du doch mit Dir reden läßt! Wie ist die Adresse dieses Herrn Koster — Köster nicht wahr?«
Es wäre unsinnig gewesen, die Adresse nicht zu sagen, die ja doch auf andere Weise gefunden werden konnte.
»Treskowstraße 22a«, murmelte Magnus dumpf. »Aber ich protestiere gegen diese Ungeheuerlichkeit! Zum Teufel mit Eurem verdammten Gold!«
Und vor dem neuen Zornesausbruche seines Bruders flüchtete Gisbert, um in der Treskowstraße seinen Köder auszuwerfen.
Herr Köster erschien in voller sprühender Entrüstung — kaum, daß er seine Tochter begrüßte. Er nahm Magnus in eine Ecke des Salons und fuhr ihn in seiner zuschnappenden Weise an:
»Sie treiben ein doppeltes Spiel, Herr! Sie machen uns eine Komödie vor — haben Sie doch den Mut, die Larve herabzureißen!«