»Wieso? Was ist denn?«
»Sie wagen es, uns Geld zu bieten, wenn wir von der Ehe abstehen! — Herr, ich verbitte mir solche Zumutung! — es ist eine unerhörte Beleidigung!«
»Ich ...?«
»Natürlich Sie! Ihr Bruder war soeben bei mir und hatte die Unverschämtheit, mir den Handel zu offerieren. Die ganze Ehe hätte nicht für einen Sechser Gültigkeit! Trotzdem bot er mir dreißigtausend, wenn wir abständen — er bot vierzigtausend — fünfzigtausend — ehe er an die sechzigtausend gelangt war, warf ich ihn zur Thür hinaus —«
Und Herr Köster blähte sich auf, wie es einem Manne zukommt, der sechzigtausend mir nichts dir nichts zur Thür hinauszuwerfen imstande ist. Magnus konnte einen Anflug des Lächelns, der heiklen Situation zum Trotz, nicht unterdrücken. Doch die fanatisch blitzenden Schwarzaugen ließen das Lächeln sofort verschwinden.
»Was machen Sie mir denn einen Vorwurf? — ich finde den Bestechungsversuch ebenso empörend wie Sie —« fiel Magnus ein.
»Die Offerte geschah im Auftrag der Familie Joël — Sie hätten Ihre Zustimmung gegeben, sagte Ihr Handelsmann —«
»Es ist nicht wahr! Ich gab die Adresse Ihrer Wohnung, weiter nichts! Ich habe noch keinen Moment bereut! Was geschehn ist, bleibt geschehn! Ich liebe Emmy — bei Gott, ich liebe sie! Ich werde sie auf den Händen tragen! Nur ein Zweifel plagt mich jetzt: wie wird sie selbst diese Heirat aufnehmen? Sie weiß bis jetzt nichts. Sie besitzt einen gewaltigen Stolz, und ich fürchte ...«
»Sie ist die Tochter ihres Vaters!« sprühte Herr Köster in neuer Entrüstung. — »Zum Donnerwetter, ist denn ihre Ehre nicht mehr wert als Sechzigtausend? — wiegt denn unser Name nicht den guten Namen eines Joël auf? Es thut mir leid, wenn Sie dadurch zum Bettler werden — es thut mir herzlich leid — aber nicht mit den Millionen eines Bleichröder lassen wir Köster uns unsere Ehre abkaufen!«
Es war der Dünkel in seiner schönsten Blüte. Aber Magnus konnte sich eines Gefühls der Achtung nicht erwehren die er vor dem sich unter diesem Bramarbas verbergenden Charakter zu empfinden begann. Und ein Zweifel überkam ihn, ob das Geld dennoch die erste Macht in der Welt bedeute. —