Emmys Genesung machte in diesen Tagen gute Fortschritte. Einmal, an einem Nachmittag, empfing ihn Frau Köster in großer Erregung.
»Doch nicht wieder schlimmer?« rief er erschreckt.
Das ängstliche Gesichtchen der guten Dame verneinte — »aber es hätte schlimm genug werden können —« berichtete sie aufgeregt, »denken Sie, diese Frau Gornemann hat natürlich nicht an sich halten können — das Geheimnis drückte sie zu sehr. Vorhin also brachte sie es fertig, Emmy plötzlich mit »Frau Joël« zu titulieren. Das arme Kind fuhr zusammen. Natürlich konnte Emmy sich den Titel von Seiten der Frau Gornemann nicht anders als einen Spott erklären. Die Thränen traten ihr in die Augen, sie begann sehr aufgeregt zu werden — da hielt ich es für das Beste, ihr selbst das ganze Geheimnis zu verraten —«
Magnus stürzte in die Krankenstube: — »Emmy — meine liebe, liebe Emmy!«
Die Kranke streckte die weißen bebenden Hände nach ihm aus, und ihre großen vom Leiden vergrößerten Augen flehten ihn an. Alles andere ist Trug und Traum! — nur sein Kommen bedeutet Wirklichkeit und Wahrheit!
Wie damals, während der Ceremonie, sank er neben ihrem Lager in die Kniee und erfaßte ihre Hände.
»Willst Du mein sein — mein für immer?« flüsterte er innig.
»Verzeih’ mir — daß ich das vollführte, ohne Dich befragt zu haben! Nun mußt Du Dich darein finden. Willst Du mein Weib sein, Emmy — ach, Du bist es ja! — mein liebes, liebes, süßes Weib!«
Und er nahm ihr glühendes Köpfchen und legte es sanft an seine Wange. Sie hielt die Lider geschlossen, ein rotes Dämmerlicht flutete hindurch, und wie ein Glockenklang aus seliger Kinderzeit hallte das Wort, das eben von seinen Lippen kam, durch ihre Sinne. Nichts als die Seligkeit dieses einen Wortes!
Und ihn, der sie umschlungen hielt, schien das Wort wie mit einem Zauberklang zu durchbeben — er fühlte Mut und Kraft in seiner Brust schwellen und er gelobte sich, der ganzen Welt zum Trotz, sie auf seinen Händen dahinzutragen durch das Leben.