Ihre grellblauen Augen glotzten das Papier an, lasen und glotzten und weiteten sich.
»Nicht möglich!« kreischte sie auf; und das Papier zerknitterte in ihrer Faust. Ein dummer Scherz, den ein anderer ihr bereitet ....
Doch die Begleitung der Anzeige bestätigte das Unmögliche. Ein höflicher Brief, worin der Major auf die gedruckte Anzeige verwies; eine kurze Andeutung seines Glückes, die ihr wie ein schriller Jauchzer entgegenschnellte. Dann aber: in Anbetracht ihrer »treuen Dienste« erlaubte er sich, ihr die Möbel, überhaupt das ganze Inventar seiner Wohnung zur Verfügung zu stellen.
Schreck und Wut und Freude über die vom Himmel gefallene Schenkung, dann wieder die himmelschreiende Enttäuschung: waren die Möbel ihr nicht ohnedies verfallen?
Bald aber überwog der Triumph. Er hat nicht gewagt zurückzukehren — aus Furcht vor ihr! Es wäre ihm auch nicht ratsam gewesen! Fräulein von M. Aha, das ist die Schwägerin des unausstehlichen Herrn, der ihn besuchte und dabei mit seiner Spürnase die Wohnung so durchschnüffelte! »Viel Glück, viel Glück!«
Und sie besann sich nicht lange, ging an eine Truhe, kramte darin und zog eine Papptafel mit dem gedruckten Avis »Möbliertes Zimmer zu vermieten« daraus hervor. Diese befestigte sie sofort an dem einen Fensterladen der »guten Stube.«
An den Stammtischen war ungeheures Halloh! Man konnte es nicht glauben. Es war die Furcht vor der Rückkehr! Einfach durchgebrannt!
Aber man freute sich dennoch. Fräulein von M. war keine Jugend mehr, auch keine Schönheit, aber sie würde ihm eine liebe und brave Frau abgeben. Sie wäre das Gegenteil einer Frau Glaß — Schnurzel würde sich freuen.
»Hoch die Madame Glaß!« rief einer.
Die Anderen stimmten lachend ein. Sie hat ja doch diese Verlobung gestiftet! Sonst würde er nie geheiratet haben — nie, nie!