»Du Ärmster, wie hat Dich mein Besuch enttäuscht! Wie hübsch hattest Du alles angeordnet!«

War sie doch bei ihrem Kommen durch die funkelnde und schimmernde Pracht der mit kostbarem Geschirr und prächtigen Blumen ausgestatteten kleinen Tafel, auf der die seltensten Leckerbissen der Jahreszeit sich drängten, in kindliches Staunen ausgebrochen. — »Doch nicht meinetwegen, Maggi?«

Sie wollte ihm nun die Freude wenigstens nicht ganz verderben und sich abermals mit ihm zu Tisch setzen. Als sie sich aber erhob, begann die Standuhr über dem Divan zu schlagen. Sie horchte, mit steigender Aufregung zählte sie die Schläge.

»Neun Uhr — Ah!«

Erschreckt fuhr sie zusammen. »Nicht möglich!« rief sie. »So muß ich sofort nach Haus!«

»Eine Viertelstunde!« bat er. »Die Uhr geht nicht richtig — Du bist doch eben erst gekommen!«

»Du weißt, wie Mama sich ängstigt. Wenn man sie hört, so ist Berlin zu drei Vierteln mit Räubern und Missethätern bevölkert, die nach neun, wo alle anständigen Leute von der Straße verschwinden, ihr Tagewerk beginnen. Ich muß fort! Vor einer halben Stunde kann ich nicht dort sein. Es ist Angst genug für Mamachen —«

»Nur zehn Minuten, süßes, einziges Herzlieb —« flehte er. »Wir nehmen eine Droschke und lassen fahren wie die Eisenbahn. Bitte, bitte, nur noch zehn Minuten —«

Er wandte ihr Köpfchen zu sich empor und erstickte das abwehrende Nein ihrer bebenden Lippen mit der Leidenschaft seiner Küsse. — »Nein, ich laß Dich nicht! Ich laß Dich nicht!« stammelte er.

»Armer Maggi —« hauchte sie in seine Liebkosung. Ihre Augen füllten sich mit Thränen: — eine solche Liebkosung wird eines Tages, bald, gar bald, ihre Trennung bedeuten!