Wo war die Zeit hin? Wie hatten sie jedes für sich die Seligkeit dieses ersten rückhaltlosen Zusammenseins ausgeschmückt! Emmy hatte aus ihrem Kassagefängnis sich mit Mühe durch eine Notlüge zu früherer Stunde befreit. Magnus ahnte nicht, welche Angst sie ausgestanden, bis sie endlich hier in seinen Armen lag. Die peinigenden Skrupel, die sie mehrere Male umkehren heißen, die Furcht vor Entdeckung und das drohende Gespenst der Schande, das auf sie lauert — es will immer noch nicht dunkel genug werden — die Läden diesseits und jenseits der Straße sind so neugierig — alle Passanten wissen um ihr Geheimnis — die Stiege knarrt — sie schrickt zusammen — eine Thür öffnet sich, jemand kommt die Treppe herab — atemlos vor Schreck stürzt sie auf die beigelehnte Thüre des ersten Stocks — »Endlich!« ruft drinnen eine Stimme.
»Ach Maggi ...«
Lange verbarg sie ihr vor Scham glühendes Antlitz an seiner Brust und ihr Atem stürmte vor gewaltiger Erregung.
»Du wirst mich nicht mehr lieben ...« bebte es über ihre Lippen. Sie wagt nicht mehr aufzuschauen — o, sie wird nicht mehr wagen, ihrer Mutter unter die Augen zu treten!
»Du meine Welt! Du mein Alles!« Und mit einem neuen Sturm umpreßte er ihre zarte Gestalt.
Aber die Standuhr war nicht so barmherzig, still zu stehen für ihr Glück. So, mit der Angst, mit der Freude dieses Willkomms war die Zeit dahingeflogen — dazu der fatale Ohnmachtsanfall. —
Während er ihr half den Paletot anzulegen, schwelgten sie bereits in der Seligkeit eines neuen Wiedersehens.
»Ist Dir auch wirklich ganz besser?« fragte er besorgt. Es war ihm, als hauchte abermals eine Blässe über ihre Wangen.
»Ganz gut, Maggi ...«
Aber der Name hauchte so matt heraus — ein neuer Schatten umflorte plötzlich ihren Blick — sie wankte.