Er schlug durch die schlottrige Thür in die Kammer hinein, zwischen die beiden bettartigen Gestelle, wo seine Sechs in zweierlei geometrischen Verhältnissen, parallel und rechtwinklig zu einander gedrängt schliefen. Sein Weib fuhr kreischend auf, der Keuchhusten des Jüngsten bellte hohl durch den niederen Raum. Jene überhäufte ihn mit Schimpfworten, lallend umtorkelte er ihr Lager. Was hat er nur mit seiner »Stimme«?
»Ohne mich — wär’ der — Schwa — Schwa — Schwatzler gar nicht — durchgegangen!«
Was faselt er für dummes Zeug? Ah, diese verdammte Wahl! Nicht genug, daß sie ihn den ganzen Tag über »blau« machen heißt — muß er auch noch die letzten paar Groschen im Krakehlwasser verthun!
Er bleibt dabei: seine Stimme ist die wichtigste im Reich ....
»Du bist verrückt!« schreit sie gegen ihn an. »Machst, daß du gleich zu Bett kommst!«
Bis in das Gekeuch seines trunkenen Schlafes hinein bleibt er bei der Verrücktheit. —
Die Freinationalen brüteten Rache; mit wütendem Eifer stöberten sie nach einer Ungehörigkeit, wo sie den Hebel zur Vernichtung der Wahl ansetzen könnten. Es klingt lächerlich, aber man meinte fast, sie hätten es auf Gottfried Simmels Stimme abgesehen.
Zuerst ein dumpfes Gemunkel, nun wird das Gerücht vorsichtig von den Basen am Biertisch destilliert, jetzt flattert es fast greifbar durch die Zeitung — endlich! da haben sie das verbrecherische Ding von einer Stimme endlich ertappt! Mit höhnendem Triumph wird das Zeichen der Illoyalität vor den verdutzten Augen der Gegner geschwungen.
Und diese Stimme heißt — Gottlieb Simmel!
Am Tage vor der Wahl hatte Gottlieb Simmel im Hofe des Kaufmannes Julius Quall Holz gehauen. Ein saures Stück Arbeit, denn das harte Wurzelwerk widerstand der Axtschärfe, als wäre es selbst von Eisen; seine Brust ächzte beim Zuhauen, und die hellen Schweißtropfen spritzten im Wetteifer mit den Holzsplittern umher.