Stand plötzlich Herr Julius Quall neben ihm.
Die straffsitzende Moiré-Weste mit dem protzig geschwungenen Bogen der schwergoldenen Uhrkette über dem Bäuchlein des Mannes schillerte in der Sonne; sein kräftig gefärbtes Gourmandgesicht leuchtete; es ging ein Geruch von Mus und Gewürz und allerlei pikanten Dingen von seinen Kleidern aus.
»Ein zäher Bissen, he?« warf sein fettes Organ hin.
Der Arbeiter nickte, fuhr mit dem Rücken der Hand über die Stirnrunzeln und hieb dann von neuem los.
Die Moiré-Weste sah eine Weile mit immer stärker glänzendem Wohlgefallen zu, wie der Kerl dort sich abrackerte. Endlich warf das fette Organ abermals ein Wort hin: »Ihr geht doch morgen zur Wahl, Simmel?«
Der Arbeiter dehnte den steifen Körper langsam in die Höhe, seine gelblichen Wimpern blinzelten verlegen, und eine Art mitleidigen Lächelns glitt über die zähen Falten seines Gesichtes.
Daran hat er noch nicht gedacht. Die Wahl — er hat davon eine Vorstellung ungefähr wie von einem Leckerbissen, der nur Leuten mit schillerndem Bäuchlein ziemt.
»Aber Simmel, Ihr seid doch Staatsbürger! Ihr werdet doch Eure Pflicht thun?«
Herr Julius Quall gehörte zu den fanatischen Heißspornen der deutschnationalen Partei; seine Rührigkeit im Proselitenmachen war bekannt.
Staatsbürger? — Das mitleidige Lächeln auf Gottlieb Simmels Gesicht nahm um eine Nüance zu. Lieber Gott, den hohen Rang beansprucht er ja gar nicht! »Man ist froh, wenn man was zu essen hat!« brachte er in seiner gedrückten Art über die Lippen.