»Nun, nun, nun ....« fiel Herr Quall ein.
Es vibrierte eine leichte Entrüstung durch die Silben. Welch eine klägliche politische Unmündigkeit!
»Ich meine doch, Simmel, Ihr könntet Euch die leichte Mühe machen! Hingehen und so einen Zettel in die Urne legen!«
Des Kaufmanns Rechte zwängte sich dabei mit Daumen und Zeigefinger in die Westentasche. Simmel verzog ausweichend die Schultern, spuckte in die Hände und rieb die, um von neuem mit der Axt auszuholen.
»Es ist Euch doch einerlei, wen Ihr wählt, he, Simmel?« Und das feiste Gourmandgesicht verzog sich zu einem cynischen Lächeln. Aus der Westentasche kam ein zusammengefalteter weißer Zettel hervor.
Simmel ruckte abermals mit den Schultern. Er hatte in der Schnapskneipe gehört, man müsse freinational wählen. Einzelne meinten, wenn es hierorts einen praktischen Zweck hätte, so wäre sozialdemokratisch das einzig Richtige. Wenn diese Richtung ans Ruder kommt, dann adjes die Rackerei! Dann müssen die Reichen »schuften«, und wir Arbeiter sehen zu!
»Hier! Ihr werdet morgen hingehn und wählen! Macht keine Flausen!«
Herr Quall reichte dem Arbeiter den Zettel hin — seine Stimme klang drohend: — Wenn er, Simmel, den Zettel nicht nimmt, so verliert er die Kundschaft. Herr Quall liebt die »reinlichste Gesinnung« bei seiner Umgebung!
Als Simmel den Zettel nahm, fiel ein Geldstück klingend auf den Wurzelklotz. Herr Qualls Gesicht that überrascht, aber es färbte sich dunkler. »Ah so,« sagte er, »ich hab’ das aus Versehn mit aus der Tasche gezogen. Na, meinetwegen könnt Ihr es behalten.« Und mit einer abermaligen Drohung im Ton: »Also gewählt wird! So was thut man, wenn man etwas auf sich hält, schon aus freien Stücken!«
Der Arbeiter blinzelte verdutzt dem Kaufmann nach, dessen Stimme schon wieder im Lagerraum kommandierte. Dann fielen seine Augen auf das Geldstück, das im Sonnenschein funkelte. Es lag gerade in dem Spalt, wo eine Axt zuletzt gewütet. Durch sein Hirn zuckte ein Verdacht: — Bestechung? Es ist eine blanke Mark, so viel als ein Tagelohn, der Kaufmann ist knauserig und verschenkt keine Mark ohne Gegenleistung ...