Unter dem Donner eines seltsam lauten Kanonenschusses stürmte ich in unsere Kontorstube. Wie verstört erhob sich meines Vaters Antlitz aus den stützenden Händen, und seine blinzelnden Augen starrten mich an wie eine Erscheinung.
»Papa — t’ag Papa! Ich bin’s! Ja, und mit was für einer Botschaft!«
Wir lagen uns schluchzend in den Armen — bis wieder ein Donner dazwischen fuhr. Ich riß mich los:
»Siehst du, Papa, deswegen bin ich gekommen! Ich habe mich geeilt genug! — Herrjeh, was bin ich gefahren! Ich wollte nicht, daß du das Schießen ohne mich anhörtest. Bumm! Auch für mich und für uns alle! So Gott will, schenken wir euch im nächsten Jahr auch einen Prinzen. Und nun verzeih’ mir alles Böse — all das Hohenzollernglück war schuld daran ...«
Abermaliges Umarmen, und das Gedonner von »Numero fünf«, das unsere rührenden Auseinandersetzungen begleitete. —
Im Herbst desselben Jahres schlenderte ich eines Abends mit meinem Weibe durch die Leipzigerstraße. Vor einem bekannten Bilderladen staute sich eine gaffende Menge; Rufe des Entzückens aus Frauenmund, und ein Herr rief ein kräftiges »famos!«
Wir drängten uns heran und, zwischen den Schultern der Gaffenden hindurch, gewahrten wir endlich den Gegenstand der entzückten Neugierde. Es war eine Photographie in Kabinettsformat, von dem grellen, hellgelben Gaslichte scharf beleuchtet, jenes seitdem so volkstümliche Gruppenbild, das die hohe Frau und Mutter mit ihren fünf kaiserlichen Knaben darstellt.
»Des Kaisers Fünf — —« stammelte ich, und mein Weib schmiegte ihren Arm inniger und fester in den meinen.
Ich weiß nicht, ob es auch ihr so geschah? — als wir uns endlich von dem Anblick des wunderhaften Bildes losgerissen und nun auf dem Trottoir weiterschritten, war vor meinen Augen ein so seltsames Flimmern und Schwanken — die Menschen, der Schein der Läden, die Laternen, alles in einer feuchten Unsicherheit verschwimmend ....