Am 5. Juli vormittags langten wir auf der Rhede von Batavia an, wo man vor dem Mastenwald der dort liegenden Schiffe kaum etwas anderes sieht, weil die niedrige sumpfige Küste so wenig Anziehendes bietet, daß man den Anblick des regen Verkehrs auf dem Wasser demjenigen auf dem Lande vorzieht. Unser Consul, ein Herr S., welcher mir sehr bald seinen Besuch machte, nahm mich gleich als seinen Gast mit an Land und wir fuhren in seinem Wagen nach der weiter im Innern hoch und gesund gelegenen Stadt Batavia. Die in großen Gärten liegenden palastartigen Gebäude, die breiten Straßen und schönen großen Plätze, die Fülle von hohen mächtigen Bäumen und Pflanzen aller Art, die Verschwendung an Marmor, welcher vielfach als Baumaterial benutzt ist, die vielen eleganten Equipagen, die kostbaren Toiletten der Damen und die buntfarbige Tracht der männlichen Eingeborenen, welche, da für jede Handleistung ein besonderer Diener vorhanden ist, in den Häusern scharenweise als solche auftreten, versehen den Fremdling in ein wahres Märchenland.

Herr S. unterhält, trotzdem er als Junggeselle allein lebt, der dortigen Sitte gemäß einen nach unsern Begriffen fürstlichen Haushalt. Ich habe acht Diener gesehen und glaube, daß in dem großen Häusercomplex noch einmal so viele, welche für mich unsichtbar geblieben sind, und zwar theilweise mit ihren Familien wirkten. Als Wohnung war mir ein ganzer Seitenpavillon mit Ausgang in einen herrlichen Garten zugewiesen, und zu meiner persönlichen Bedienung hatte ich allein zwei Diener, welche, mich auf Schritt und Tritt mit ihren Augen verfolgend, jederzeit zur Stelle waren, wenn ich irgend einer Dienstleistung bedurfte.

Eine ähnliche Gastfreundschaft fanden auch unsere übrigen Offiziere bei andern deutschen Herren.

Ein von dem Consul unserm Schiff zu Ehren gegebenes Fest versammelte die ganze deutsche Colonie in den gastlichen Räumen, wo auch der Gecko ohne Scheu vor uns seinen eigenthümlichen Ruf hören ließ und an den Wänden und der Decke des Saals nach schädlichen Insekten etc. jagte, während wir tafelten.

Daß Herr S. mit mir auch einen Ausflug nach Buitenzorg, der Residenz des holländischen Generalgouverneurs und beliebter Erfrischungsaufenthalt der europäischen Familien machte, versteht sich eigentlich von selbst. Wir fuhren nachmittags mit der Eisenbahn dorthin, wobei mir als das Merkwürdigste am Wege die hier wachsenden lebenden Telegraphenstangen gezeigt wurden. Da man der Termiten und anderer unnützer Insekten wegen keine Stangen aus todtem Holz verwenden konnte, wählte man hierzu lebende Bäume, nachdem man eine hierfür geeignete Art gefunden zu haben glaubte. Diese Bäume haben aber doch ein so unerwartet rasches Wachsthum gezeigt, die Glocken für die Drähte sind schon so hoch gewandert, daß die letztern jetzt zu kurz werden, reißen und somit fortgesetzter Reparaturen bedürfen.

In Buitenzorg fand ich einen luxuriösen Platz, schöne Häuser, große Parkanlagen und Gärten, elegante Hotels und unter den vielen fröhlichen Menschen auch manchen siechen Soldaten, da die im Colonialdienst erkrankten Mannschaften von dem Staat zu ihrer Erholung dorthin geschickt werden. Zwischen den vorwiegend europäischen Häusern liegen auch einige javanische, in denen eingeborene Fürsten mit ihrem Hofstaat leben und in deren einem am Abend meiner Anwesenheit in Buitenzorg ein als Musik bezeichneter fürchterlicher Lärm bis spät in die Nacht hinein verübt wurde.

Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch bestiegen wir einen kleinen zweisitzigen, mit vier kleinen Pferden bespannten Wagen, um weiter in die Berge zu fahren und einen berühmten Badeplatz zu besuchen. Der Kutscher des Gefährts hatte merkwürdigerweise nur die beiden Stangenpferde im Zügel, die beiden vordern Thiere waren ohne jede Lenkvorrichtung eingeschirrt. Zwei eingeborene Läufer mit kurzer Peitsche in der Hand standen, ebenso wie bei den städtischen Wagen, auf dem hinten angebrachten Fußbret, mit einer Hand sich am Wagen festhaltend und mit nach außen geneigtem Oberkörper die vor uns liegende Straße beobachtend. Die Hauptaufgabe dieser Läufer scheint die zu sein, die vordern Pferde zu lenken, weil auf den guten Straßen keine Hindernisse eintreten, welche ihre Thätigkeit sonst in Anspruch nehmen könnten. Sobald wir im Wagen saßen, nahmen auf Zuruf des Kutschers die feurigen Thiere einen fliegenden Trab auf und behielten diese Gangart scheinbar ohne Anstrengung auch auf der bald ziemlich steil ansteigenden Straße dauernd bei. Staunenswerther als dies war es aber, wenn bei Wegebiegungen oder Straßenkreuzungen unsere beiden Läufer von dem Fußbret absprangen, den schnellen Lauf der Thiere überholend an uns vorbeiflogen, die vorgespannten Pferde, sie am Gebiß fassend, auf den richtigen Weg leiteten und dann wieder leicht auf das Fußbret sprangen, ohne durch schneller gehenden Athem zu verrathen, daß der Lauf ihnen eine Anstrengung verursacht hätte. Und als noch staunenswerther möchte ich es bezeichnen, als bei einer javanischen Hütte ein kleines, kaum 7 Jahre altes Mädchen uns folgte und mit ihren bloßen Füßchen neben dem Wagen herlaufend, gleichen Schritt mit uns hielt und lachenden Gesichts ihr guán, guán (Herr, Herr) rief, um eine Gabe zu erbetteln. Manche mich interessirende Gestalt begegnete uns, stolze Javanesen oder Sundanesen, welche eigentlich nur ihre Waffen spazieren trugen; mit dem Hüfttuch bekleidete, sonst nackte Tagelöhner, welche kunstvoll gebundene Fruchtpyramiden zu Markte in die Stadt trugen und von denen mehr wie einer sich von seiner ärmlich gekleideten Frau begleiten ließ, um bei dieser Gelegenheit die in ihren Ohrläppchen sitzenden, oft einen Werth von nahezu 1000 Gulden darstellenden Brillanten zur Schau zu stellen. Der geradezu krankhafte Trieb des Javanesen nach dem Besitz von Diamanten soll ihn allein dazu bringen, auf den Plantagen der Europäer so lange zu arbeiten, bis er sich diesen Wunsch erfüllen kann, worauf er sich dann an dem Besitz in der Weise erfreut, daß er die Steine seiner Frau anhängt, wodurch er sie immer vor Augen hat. Auch durch Dörfer, malerisch zwischen üppigem Laub gelegene Niederlassungen, kamen wir, wo die Frauen der wohlhabendern Klasse in den saubern offenen Hütten am Webstuhl saßen, denn sie weben den Hausbedarf an Stoffen sich selbst.

An unserm eigentlichen Ziele angelangt, fanden wir einen dunkeln, geheimnißvollen, kühlen Hain, in welchem unter hohen Bäumen ein großes gemauertes Becken liegt, das von einer frischen Waldquelle gespeist wird. Eine Hütte zum Aus- und Ankleiden befindet sich an dem Rande des Beckens, eine steile steinerne, mit Moos überzogene Treppe führt zum Wasserspiegel, wo man unter den rauschenden Kronen altehrwürdiger Bäume im Waldesdunkel und umgeben von Waldesstille ein erfrischendes, fast kaltes Schwimmbad findet. Als wir beim Verlassen des Bades einigen Eingeborenen begegneten, forderte Herr S. dieselben auf, einige Skorpione zu fangen, um mir zu zeigen, wie reich der Boden hier an diesem giftigen Gewürm sei. Nur einige größere Steine brauchten die Leute aus dem feuchten schlüpfrigen Boden herauszuheben und sie hatten schon eine kleine Schale mit diesen kampfesmuthigen Thieren, welche sofort gegenseitig übereinander herfielen, angefüllt.

Nach Buitenzorg zurückgekehrt fand ich noch Gelegenheit, von einem herumziehenden Händler in unserm Gasthaus einige schöne alte sundanesische kurze Schwerter zu erwerben, dann frühstückten wir und zur Essenszeit waren wir wieder in Batavia.

Am 10. Juli mittags verließen wir den javanischen Strand wieder, liefen während der Nacht durch die Sunda-Straße, aus welcher wir am 11. morgens 4 Uhr in den Indischen Ocean einsteuerten. Ich suchte nun zunächst 9° Südbreite auf, um auf dieser die Reise zu machen, steuerte aber, als am 12. abends der Passatwind immer noch nicht durchgekommen war, südlich bis auf 10½° Südbreite, wo ich am 13. nachmittags den gewünschten Wind antraf, auf dessen Schwingen wir nun mit einer Durchschnittsfahrt von 10 Knoten, welche zuweilen bis auf 13 steigt, nach Aden eilen.