An den Regierungssitz schließt sich ein Dorf der Eingeborenen an, dann folgt die großartige Anlage der Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft (früher J. C. Godeffroy u. Sohn) mit ihrem stattlichen Wohnhaus, den Lagerräumen, einer Baumwoll-Reinigungsmaschine, Schiffs-Reparaturwerkstätte und großen freien Lagerplätzen. Das nächste inmitten eines großen Gartens von der Straße etwas zurückliegende Gebäude ist ein französisches Nonnenkloster, welches sich der Erziehung samoanischer, halbweißer und weißer Mädchen widmet. Dann kommt der eigentliche europäische Stadttheil, vielleicht richtiger das Fremdenviertel genannt, mit einigen bessern Häusern, zwei fragwürdigen Gasthäusern (Hôtel International und Gasthaus zur Stadt Hamburg), einigen Matrosenkneipen, den wieder weiter von der Straße zurückliegenden, aus rothen Backsteinen erbauten Häusern der französischen katholischen Priester und einer hübschen kleinen, aus Stein erbauten katholischen Kirche. Demnächst folgt wieder ein Eingeborenendorf, das nach der andern Seite von einem in den Hafen mündenden ziemlich breiten Fluß begrenzt wird und in welchem das Haus der englischen Mission sowie die einer häßlichen Scheune ähnelnden evangelische Kirche liegen. Eine lange hölzerne Brücke führt über den Fluß an der Anlage des zweiten hier etablirten großen deutschen Hauses von Ruge u. Hedemann aus Hamburg vorbei, wieder zu einigen von Fremden bewohnten Häusern und schließlich zu einem auf einer flach auslaufenden Landspitze liegenden Eingeborenendorf, welches hier im Osten die Stadt ebenso abschließt wie Mulinu'u im Westen.
Apia erhält hierdurch ein auffallend symmetrisches Ansehen. An die von der Brandung überspülten Korallenriffe schließen sich an den beiden äußersten Seiten die niedrigen Landspitzen mit den Dörfern der Eingeborenen an und an diese, wie Wachtposten, die beiden hamburger Häuser mit der deutschen Flagge, zwischen welchen am Fuße des hohen dicht bewaldeten Berges Apia die Fremden wohnen.
Am nächsten Morgen nach unserer Ankunft machte ich unserm Consul meinen Besuch und nahm die liebenswürdige Einladung dieses Herrn, vorläufig der Gast des deutschen Hauses zu sein, an, um die drängenden Angelegenheiten besser besprechen zu können, auch einmal wieder in größerer Gesellschaft zu essen und gleichzeitig die Gelegenheit zu benutzen, meiner Kajüte den ihr durchaus nothwendigen neuen Farbenanstrich geben zu lassen.
Da es wol von Interesse ist zu erfahren, wie unsere Landsleute als unsere Antipoden hier draußen leben, will ich eine kurze Skizze davon geben.
Das stattliche, nur aus einem Parterregeschoß bestehende Wohnhaus umschließt im Viereck einen ziemlich großen Blumenhof. Unter dem breiten Dach läuft außen wie innen eine sehr geräumige Veranda rund um das Haus, welche die Sonnenstrahlen von den Wohnräumen abhält und den Bewohnern zu jeder Tageszeit gestattet, sich gegen Sonne und Regen geschützt zu ergehen. Topfgewächse und Blumen zieren die innere Veranda, im Freien wachsende große Oleander und andere Bäume beschatten die äußere. Bänke und die verschiedensten Arten bequemer Stühle laden zum Sitzen ein, und es ist ein wahrer Genuß, dort während der fast täglich über die Insel ziehenden Regengüsse zu ruhen und die herrliche Natur, Land und Meer zu bewundern.
Katholische Kirche in Apia.
Die Hauptthür des Hauses liegt in der Mitte der vordern Front und durchschneidet dieselbe ganz, sodaß man beim Betreten des Hauses auf den schön gehaltenen Blumenhof sieht. Rechts liegen die Geschäftszimmer und die Wohnung des Herrn Weber, des Leiters des Geschäftshauses; links ein Empfangszimmer, ein großer Saal, zwei Fremdenzimmer und die Zimmer der Dame des Hauses, einer ältern Witwe aus Hamburg, welche den Haushalt führt und durch ihre Anwesenheit verfeinernd, bezw. erhaltend auf die Sitten der jüngern Herren wirkt. Die Rückseite des Hauses wird von einem großen Speisesaal eingenommen, von welchem man nach hinten ins Freie tritt und zu dem abgesonderten Hause gelangt, in welchem die jüngern Herren, alle Deutsche, wohnen.
Vor dem Hause liegt ein mäßig großer, gut gehaltener Garten, hinten und zu beiden Seiten je ein großer freier Platz, wo die Pferde und Hühner ihr Wesen treiben. An der einen Seite, abgesondert vom Wohnhause, liegt auch die Küche, wo eine hamburger Köchin, eine hagere, ältliche Jungfrau, das Scepter führt und mit aller Welt in Fehde liegt, nicht nur mit den Menschen, sondern auch mit dem Gethier, da Pferde und Hühner gern in die Küche kommen, um dort zu naschen, was sie aber nicht dulden will.
Die Dame des Hauses ist eine wahre Perle, hat aber die Schwäche, daß sie keine Samoanerin ohne Busentuch in das Haus läßt und dadurch die Herren insofern schädigt, als die Verkäuferinnen von Fischen, Schalthieren, wilden Tauben, Gemüsen und Früchten das Haus meiden und der sonst vorzüglich besetzte Tisch an einer gewissen Einförmigkeit leidet. Immer nur Rindfleisch, Schinken, Wurst und eingemachte europäische Gemüse. Dagegen hat sie die liebenswürdige Eigenschaft, Spaß zu verstehen, und ich entsinne mich mit Vergnügen einer Scene, wo ich ihre Kenntniß der Sprachen der verschiedenen Insulaner anzweifelte. Ihr besonderer Liebling ist ein alter humpelnder Kingsmill-Insulaner, welcher die Dienste eines Gärtners versieht und mit dem sie sich in den halsbrecherischsten Zungen verständigt, wo thatsächlich aber wol die Gesten das Verständigungsmittel bilden. Ich hatte sie beobachtet, wie sie dem Manne Anweisung gab, die Blumen zu begießen, und erklärte am nächsten Tage in einer übermüthigen Laune, die Sprache des Mannes auch zu verstehen. Als sie dies bezweifelte, rief ich den Mann bei seinem Namen, redete irgendein unsinniges Kauderwelsch und machte dazu die nothwendigen Zeichen, worauf der Alte lachend weghumpelte; als er aber richtig mit der Gießkanne wiederkam, zog ich mich schleunigst zurück, um dem Zorn der alten Dame zu entgehen.