(Marchbanks gegen das Sofa zurückweichend:) Lassen Sie mich in Frieden, rühren Sie mich nicht an!
(Morell faßt ihn kräftig am Aufschlag seines Rockes; er duckt sich auf das Sofa nieder.)
(Marchbanks schreit leidenschaftlich:) Halten Sie ein; wenn Sie mich schlagen, so töte ich mich, ich würde es nicht ertragen! (Beinahe hysterisch:) Lassen Sie mich los: nehmen Sie Ihre Hand fort!
(Morell langsam, mit nachdrücklicher Geringschätzung:) Sie kleiner, winselnder, feiger Hund! (Er läßt ihn los:) Gehen Sie, sonst fallen Sie aus Angst in Ohnmacht.
(Marchbanks auf dem Sofa nach Luft schnappend, aber befreit durch das Zurückziehen von Morells Hand:) Ich fürchte mich nicht vor Ihnen, Sie fürchten sich vor mir!
(Modell ruhig, über ihn gebeugt:) Es sieht mir ganz danach aus!
(Marchbanks mit dreister Heftigkeit:) Ja; es sieht so aus. (Morell wendet sich verachtungsvoll ab, Eugen steht hastig auf und folgt ihm.) Weil ich vor einer brutalen Behandlung zurückschrecke, weil (mit Tränen in der Stimmt:) ich nichts anderes tun kann, als heulen vor Wut, wenn mir Gewalt angetan wird—weil ich keinen schweren Koffer vom Kutscherbock herabheben kann wie Sie—weil ich mit Ihnen nicht um Ihre Frau raufen kann wie ein Arbeiter—deshalb glauben Sie, ich hätte Angst vor Ihnen! Aber Sie irren. Besitze ich auch nicht Ihren berühmten britischen Mut, so besitze ich doch auch nicht die britische Feigheit. Ich fürchte mich vor den Ansichten eines Pastors nicht. Ich will kämpfen gegen Ihre Ansichten. Ich will Candida von der Sklaverei dieser Ansichten befreien, ich will meine eigenen Ansichten den Ihren entgegenstellen. Sie jagen mich aus dem Hause, weil Sie es nicht wagen, Candida zwischen meinen und Ihren Ansichten wählen zu lassen! Sie fürchten sich vor einem Wiedersehen zwischen Ihrer Frau und mir. (Morell wendet sich plötzlich zornig zu ihm; er flüchtet nach der Tür in unfreiwilliger Angst:) Lassen Sie mich in Ruhe. Ich gehe.
(Morell mit kalter Verachtung:) Warten Sie einen Augenblick: ich werde Sie nicht berühren, fürchten Sie sich nicht. Wenn meine Frau zurückkommt, dürfte sie wissen wollen, warum Sie fortgegangen sind; und wenn sie erfährt, daß Sie unsere Schwelle nie wieder überschreiten werden, dann wird sie darüber Aufklärung verlangen. Nun möchte ich sie nicht betrüben und ihr sagen, daß Sie sich wie ein Schuft benommen haben.
(Marchbanks kehrt mit erneuter Heftigkeit um:) Sie sollen es—Sie müssen! Wenn Sie irgendeine andere Aufklärung als die wahre geben, so sind Sie ein Lügner und ein Feigling. Sagen Sie ihr, was ich gesagt habe, und wie Sie stark und männlich waren und mich zerzaust haben wie ein Hund eine Ratte, und wie ich zurückwich und entsetzt war, und wie Sie mich einen winselnden kleinen Hund nannten und mich aus dem Hause jagten! Wenn Sie ihr das alles nicht sagen werden, so werde ich es tun! Ich werd' es ihr schreiben.
(Morell verblüfft:) Warum wollen Sie, daß sie das alles erfahren soll?