(Marchbanks mit lyrischer Begeisterung:) Weil sie mich dann verstehen und wissen wird, daß ich sie verstehe. Wenn Sie nur ein Wort von alledem vor ihr verheimlichen—wenn Sie nicht bereit sind, ihr die reine Wahrheit zu Füßen zu legen—wie ich—dann werden Sie bis an das Ende Ihrer Tage wissen, daß sie in Wirklichkeit mir gehört und nicht Ihnen. Leben Sie wohl. (Er wendet sich zum Geben.)

(Morell in furchtbarer Unrube:) Halt! ich werde ihr das alles nicht erzählen.

(Marchbanks wieder nach der Tür, wendet sich um:) Sie müssen ihr entweder die Wahrheit sagen, wenn ich gehe, oder eine Lüge.

(Morell zögernd:) Marchbanks, es ist manchmal entschuldbar—

(Marchbanks ihn unterbrechend:) Zu lügen—ich weiß! Diesmal wïrd es aber vergeblich sein! Leben Sie wohl, Herr Pfarrer! (Wie er sich endlich zur Tür wendet, geht diese auf und Candida tritt in ibrem Hauskleid ein.)

(Candida.) Sie verlassen uns, Eugen? (Sieht ihn genauer an:) Aber, Sie werden doch nicht in diesem Zustand auf die Straße gehen. Sie sind ein Dichter, sicherlich! Sieh' ihn nur an, Jakob! (Sie faßt Eugen am Rock und zieht ihn nach vorne, ihn Morell zeigend.) Sieh diesen Kragen an und diese Krawatte und dieses Haar. (Zu Eugen:) Man möchte glauben, daß jemand Sie hat erdrosseln wollen! (Die beiden büten sich, ihr schlechtes Gewissen zu verraten.) Da,—halten Sie still. (Sie knöpft ihm seinen Kragen, bindet sein Halstuch zu einer Schleife und ordnet sein Haar.) So, so! Nun sehen Sie so nett aus, daß ich es doch für besser hielte, Sie frühstückten mit uns, obwohl Sie es eigentlich nicht sollten, wie ich Ihnen schon gesagt habe. In einer halben Stunde wird das Essen bereit sein. (Sie glättet sein Halstuch noch mit einer letzten Berübrung; er küßt ihr die Hand.) Nicht dumm sein.

(Marchbanks.) Ich möchte schon bleiben, gewiß—falls Ihr verehrter
Herr Gemahl, der Herr Pastor, nichts dagegen einzuwenden hat.

(Candida.) Soll er bleiben, Jakob, wenn er verspricht, ein braver Junge zu sein und mir beim Tischdecken zu helfen? (Marchbanks wendet den Kopf und sieht Morell über die Schulter fest an, seine Antwort herausfordernd.)

(Morell kurz angebunden:) O ja, gewiß; es wäre mir lieb. (Er geht an den Tisch und tut, als ob er mit den Papieren beschäftigt wäre.)

(Marchbanks bietet Candida den Arm:) Decken wir den Tisch. (Sie nimmt seinen Arm, dann wenden sie sich zusammen nach der Tür, im Hinausgehen.) Nun bin ich der glücklichste Mensch von der Welt!