(Proserpina etwas aufgebracht, da jede derartige Unterhaltung—außer scherzweise einmal—ihren Umgangsformen fernliegt:) Woher soll ich das wissen? Warum fragen Sie mich?

(Marchbanks.) Entschuldigen Sie. Ich dachte, daß gescheite
Leute—Leute, die Geschäfte besorgen, Briefe schreiben und ähnliche
Dinge verrichten können—auch immer Liebesangelegenheiten haben.

(Proserpina erbebt sich beleidigt:) Herr Marchbanks! (Sie siebt ihn strenge an und gebt sehr würdevoll zum Bücherschrank.)

(Marchbanks nähert sich ihr demütig:) Ich hoffe, daß ich Sie nicht beleidigt habe. Ich hätte vielleicht auf Ihre Liebesangelegenheiten nicht anspielen sollen.

(Proserpina nimmt ein blaues Buch aus einem Fach und wendet sich scharf nach ihm um:) Ich habe keine Liebesangelegenheiten! Wie können Sie es wagen, mir so etwas zu sagen?

(Marchbanks naiv:) Wirklich? Oh, dann sind Sie auch schüchtern, wie ich, nicht wahr?

(Proserpina.) Ich bin gewiß nicht schüchtern: was meinen Sie damit?

(Marchbanks geheimnisvoll:) Sie müssen es sein. Das ist der Grund, warum es so wenig echte Liebesgeschichten in der Welt gibt. Wir gehen alle umher und sehnen uns nach Liebe, sie ist die erste Naturnotwendigkeit, das heißeste Gebet unseres Herzens, aber wir wagen es nicht, unsere Wünsche zu äußern, wir sind zu schüchtern. (Sehr ernst:) Oh, Fräulein Garnett, was würden Sie nicht darum geben, ohne Furcht zu sein,—ohne Scham—

(Proserpina empört:) Nein, meiner Treu, das ist stark!

(Marchbanks trotzig und ungeduldig:) Sagen Sie mir nicht solche
Albernheiten. Sie täuschen mich doch nicht. Wozu soll das sein?
Warum scheuen Sie sich, sich mir gegenüber so zu zeigen, wie Sie sind?
Ich bin ja selbst genau so wie Sie.