(Candida.) Was ist's denn, Eugen? Wegen der Nagelbürste? (Er schaudert.) Es ist ja nichts dabei, lassen Sie's gut sein. (Sie setzt sich neben ihn.) Wollen Sie mir eine hübsche neue schenken, mit Elfenbeinrücken und eingelegtem Perlmutter?

(Marchbanks sanft und melodisch, aber traurig und schmachtend:) Nein, keine Nagelbürste, aber ein Boot, eine kleine Schaluppe, um darin fortzusegeln, weit fort von der Welt, dorthin, wo Marmorböden vom Regen gewaschen und von der Sonne getrocknet werden, und wo der Südwind die wundervoll grünen und purpurnen Teppiche fegt. Oder einen Wagen möchte ich Ihnen schenken; uns hinaufzutragen in den Himmel, wo die Lampen Sterne sind und nicht täglich mit Petroleum gefüllt werden müssen.

(Morell barsch:) Und wo es nichts anderes zu tun gibt, als faul, selbstsüchtig und unnütz zu sein.

(Candida unangenehm berührt:) Oh, Jakob, wie kannst du nur alles so verderben!

(Marchbanks feurig:) Ja: faul, selbstsüchtig und unnütz, das heißt schön, frei und glücklich sein. Hat das nicht jeder Mann mit seiner ganzen Seele für die Frau gewünscht, die er liebte? Das ist auch mein Ideal. Was ist das Ihre und das all der entsetzlichen Menschen, die in diesen fürchterlichen Häuserreihen wohnen? Predigten und Schuhbürsten! Für Sie die Predigten und für Ihre Frau die Bürste!

(Candida drollig:) Er putzt die Schuhe, Eugen. Morgen werden Sie sie putzen müssen, weil Sie das von ihm gesagt haben.

(Marchbanks.) Oh, sprechen Sie nicht von Schuhen; Ihre Füße würden auch in einer Wildnis schön bleiben.

(Candida.) Meine Füße würden auf der Hackneystraße ohne Schuhe nicht sehr schön aussehn.

(Burgess daran Anstoß nehmend:) Geh, Candy, sei nicht ordinär. Herr Marchbanks ist daran nicht gewöhnt. Du hast ihm schon wieder Jammer eingeflößt,—ich meine poetischen Jammer. (Morell schweigt, scheinbar ist er mit seinen Briefen beschäftigt. Tatsächlich ist er aber über seine neue und beunruhigende Erfahrung in sorgenvolle Gedanken vertieft: je sicherer er seiner moralischen Ausfälle ist, desto sicherer und wirkungsvoller pariert sie Eugen. Es schmerzt Morell sehr, daß er einen Menschen zu fürchten anfängt, den er nicht achten kann. Fräulein Garnett kommt mit einem Telegramm herein.)

(Proserpina händigt das Telegramm Morell ein:) Rückantwort bezahlt, der Bote wartet. (Zu Candida, während sie zu ihrer Maschine geht und sich setzt:) Marie wartet auf Sie in der Küche, Frau Morell. (Candida erhebt sich:) Die Zwiebeln sind gekommen.