(Marchbanks ausweichend:) Oh, lassen wir das. (Er bückt sich, das
Manuskript aufzuheben.)
(Candida.) Legen Sie das wieder hin, Eugen. Mein Hunger nach Poesie hat Grenzen, selbst nach Ihrer Poesie. Sie haben mir länger als zwei Stunden vorgelesen—seit mein Mann fort ist—, ich möchte lieber plaudern.
(Marchbanks erhebt sich, furchtsam:) Nein, ich darf nicht reden. (Er
sieht in seiner verlorenen Weise um sich und fügt plötzlich hinzu:)
Ich glaube, ich mache einen Spaziergang im Park. (Er will nach der
Tür.)
(Candida.) Unsinn! er ist längst geschlossen. Setzen Sie sich auf den Kaminteppich und plaudern wir, wie Sie es gewöhnlich tun! Ich will unterhalten werden,—wollen Sie nicht?
(Marchbanks halb entsetzt, halb hingerissen:) Ja.
(Candida.) Dann kommen Sie her. (Sie rückt ihren Stuhl etwas zurück, um Platz zu machen; er zögert, dann kauert er sich schüchtern hin vor den Kamin, das Gesicht nach oben gekehrt, wirft seinen Kopf zurück auf ihre Knie und sieht zu ihr empor.)
(Marchbanks.) Oh, ich habe mich den ganzen Tag so unglücklich gefühlt, weil ich getan habe, was recht war; und nun, wo ich unrecht tue, bin ich so glücklich.
(Candida zart, belustigt über ihn:) Ja; ich bin überzeugt, nun fühlen Sie sich wie ein großer, erwachsener, böser Verführer—ganz stolz auf sich, nicht wahr?
(Marchbanks erhebt seinen Kopf rasch und wendet sich ein wenig, um sie anzublicken:) Nehmen Sie sich in acht. Ich bin sogar um vieles älter als Sie, Sie wissen es nur nicht. (Er wendet sich auf seinen Knien ganz herum; mit gefalteten Händen und die Arme in ihrem Schoß, spricht er mit wachsender Erregung—sein Blut fängt an zu wallen:) Darf ich Ihnen ein paar schlimme Dinge sagen?
(Candida ohne die leiseste Angst oder Kälte und mit vollkommener Achtung vor seiner Leidenschaft, aber mit einem Schimmer ihres klugkerzigen mütterlichen Humors:) Nein. Aber Sie dürfen alles sagen, was Sie wirklich und wahrhaftig fühlen, was es auch sei, alles! Ich fürchte mich nicht, solange Ihr wirkliches "Selbst" zu mir spricht und nicht eine bloße Pose—eine galante oder eine gottlose, oder selbst eine dichterische Pose. Das verlange ich von Ihnen, bei Ihrer Ehre und Wahrhaftigkeit!—Nun sagen Sie, was Sie wollen.