(Marchbanks wendet sich überrascht um:) Ich danke Ihnen, daß Sie sich auf mein Gedicht beziehen. Ja, wenn Sie wollen: als ein frierender Bettler, der sie um ihren Schal bat.
(Morell erregt:) Und sie verweigerte ihn. Soll ich Ihnen sagen, warum sie ihn verweigert hat? Ich kann es Ihnen sagen, mit ihrer eigenen Erlaubnis: weil…
(Marchbanks.) Sie hat ihn nicht verweigert!
(Morell.) Nicht?
(Marchbanks.) Sie bot mir alles, worum ich bat: ihren Schal, ihre Flügel, den Sternenkranz aus ihrem Haar, die Lilien in ihrer Hand, den aufgehenden Mond zu ihren Füßen.
(Morell ihn anpackend:) Heraus mit der Wahrheit, Mensch! Meine Frau ist meine Frau: ich habe genug von Ihrem poetischen Flitterkram,—ich weiß ganz gut, daß kein Gesetz Candida an mich binden würde, wenn ich ihre Liebe an Sie verloren hätte!
(Marchbanks bizarr, ohne Furcht oder Widerstand:) Packen Sie mich nur beim Kragen: sie wird ihn dann wieder in Ordnung bringen wie heute morgen. (Mit stiller Begeisterung:) Ich werde wieder die Berührung ihrer Hände fühlen.
(Morell:) Sie junger Fant, fühlen Sie nicht, wie gefährlich es ist, mir das zu sagen! Oder (mit plötzilicher Befürchtung:) hat Sie irgend etwas kühn gemacht?
(Marchbanks.) Ich fürchte mich jetzt nicht mehr! Ich habe Sie bisher
nie leiden mögen, deshalb bin ich bei Ihren Berührung zusammengezuckt.
Aber heute erkannte ich—als Candida Sie quälites—daß Sie sie lieben.
Seitdem bin ich Ihr Freund! Jetzt können sie mich erwürgen, wenn
Sie wollen!
(Morell ihn loslassend:) Eugen, wenn das keine herzlose Lüge ist—wenn Sie noch einen Funken menschlichen Fühlens haben—so werden Sie mir sagen, was im meiner Abwesenheit vergefallen ist!