„Über nichts.“
„Bitte, denken Sie nicht, daß etwas durch unsere Nachlässigkeit gekommen ist.“
„Worüber sollte ich mich beklagen. Sie hatte ein warmes Zimmer und ein kostbares Bett, um darin zu sterben, und die beste ärztliche Hilfe von der Welt. Eine Menge Menschen verhungert und erfriert heute, damit wir die Mittel haben, in vornehmer Weise zu sterben. Fragen Sie die, ob sie einen Grund zur Klage haben. Glauben Sie, ich will mich an Henriettas Leiche über den Betrag des Geldes zanken, den Sie für ihre Krankheit ausgegeben haben? Kann man danach abmessen, welchen Grund sie zur Klage hatte? Ich habe ihr niemals Geld vorenthalten — wie konnte ich das, da ich weiß, daß ich umsonst mehr bekommen habe, als ich je verschwenden kann? Oder wie konnten Sie das tun? Trotzdem hat sie vielen Grund, sich über mich zu beklagen. Das werden Sie wohl zugeben.“
„Das ist auch vollkommen richtig.“
„Gut, wenn ich einmal dazu gelaunt bin, werde ich mir selbst Vorwürfe machen und nicht Ihnen.“ Er hielt inne und wandte sich dann heftig nach ihr hin, indem er fortfuhr: „Warum wählen Sie grade diese Stunde, um mir solche bitteren Worte zu sagen?“
„Ich erinnere mich nicht, daß ich etwas gesagt habe, was Sie zu einer solchen Bemerkung berechtigt. Haben Sie“ — sie wandte sich an den Doktor — „mich so etwas sagen gehört?“
„Mr. Trefusis will das auch sicherlich nicht von Ihnen behaupten. O nein. Mr. Trefusis’ Gefühl ist natürlich — ist erregt. Das ist alles.“
„Meine Gefühle!“ rief Trefusis ungeduldig. „Glauben Sie, meine Gefühle sind eine Raritätensammlung gesellschaftlicher Vorurteile, und sie ließen sich nach Vorschrift erregen und bei Leichenbegängnissen zur Schau stellen? Sie ist dahin, wie wir alle drei auch bald dahin gehen werden. Wenn wir unsterblich wären, hätten wir einen vernünftigen Grund, die Tote zu bemitleiden. Da wir es aber nicht sind, sollten wir lieber unsere Kräfte anspannen, um das Unrecht zu verringern, das wir sicher noch tun, ehe wir ihr folgen.“
Der Doktor war durch diese Worte tief beleidigt, denn die Feststellung, daß er eines Tages sterben müßte, schien ihm eine Bezweiflung seiner berufsmäßigen Bemeisterung des Todes zu sein. Mrs. Jansenius freute sich, daß Trefusis ihre schlechte Ansicht von ihm und ihre Schilderung über ihn durch seine eigene Aufführung und Sprache in des Doktors Gegenwart bestätigte. Es entstand eine kurze Pause, und dann verließ Trefusis das Zimmer, da seine Gefühle zu weit von den ihrigen entfernt waren, als daß er die Unterredung in eine freundlichere Stimmung hinüberführen konnte. Er wollte grade im Flur seinen Überzieher anziehen, als er es sich überlegte und ihn unentschlossen wieder hinhing. Plötzlich rannte er die Treppe hinauf. Bei dem Geräusch seiner Fußtritte kam eine Frau aus einem der Zimmer und sah ihn fragend an.
„Ist es hier?“ sagte er.