„Schließlich ist sie ja gar nicht tot. Jedes Wort, das sie gesagt hat — jeder Gedanke, den sie gefunden und geäußert hat, war ein unauslöschlicher und unzerstörbarer Eindruck.“ Er hielt inne, überlegte wieder eine Zeitlang und fiel in seine trübe Stimmung zurück. „Und das Dutzend anderer Namen, die morgen mit ihr in der ‚Times‘ stehen? Auch ihre Worte liegen noch in der Luft, um die ganze Ewigkeit zu überdauern. Hm! Was die Luft mit Unsinn vollgepfropft sein muß? Zwei Töne heben sich manchmal gegenseitig auf, warum sollten sie nicht auf dieselbe Art auch Ideen gegeneinander aufheben. Nein, mein Lieb, du bist tot und dahin, und alles ist vorbei. Und auch ich werde bald genug tot und dahin sein, und alles ist vorbei, ehe ich noch Muße habe, mich mit Hoffnungen auf Unsterblichkeit zu narren. Arme Hetty! Nun leb wohl, mein Liebling. Wir wollen einen Augenblick denken, du könntest mich hören; ich weiß, daß dir das gefällt.“

Alles dieses sagte er in einem halbvernehmbaren Flüstern. Dann schwieg er, neigte sich über den Körper und sah ihn aufmerksam an. Selbst als er ihn genug betrachtet hatte und sich zum Gehen wandte, änderte er noch einmal seine Absicht, um sie noch eine Weile anzusehen. Dann richtete er sich auf und ging beruhigt und erfrischt mit festem Schritt aus dem Zimmer. Die Frau wartete draußen. Als sie sah, daß er nicht mehr so betrübt war wie beim Hereintreten, sagte sie:

„Hoffentlich sind Sie zufrieden, mein Herr!“

„Entzückt! Bezaubert! Die Arrangements sind außerordentlich hübsch und geschmackvoll. Sehr tröstlich.“ Und er gab ihr einen halben Sovereign.

„Danke sehr,“ sagte sie und machte eine Verbeugung. „Die arme, junge Lady! Sie hat so nach Ihnen verlangt, mein Herr. Sie sagte immerzu, Sie wären der einzige, der sich etwas aus ihr machte! Und wie wütend sie auf ihre Mutter war. ‚Sagt ihm, daß ich gefährlich krank bin,‘ rief sie, ‚und er wird kommen.‘ Das arme Ding wußte nicht, wie wahr ihre Worte waren. Und sie starb, ohne es zu erfahren!“

„Sie machte sich und mir Hoffnung. Glückliches Mädchen!“

„Lieber Himmel, ich weiß, was sie empfand. Ich habe viele Erfahrungen.“ Hierbei trat sie ihm vertraulich näher und flüsterte: „Die Familie war gegen Sie, mein Herr, und sie wußte das. Aber sie wollte nicht auf sie hören. Wenn sie wohl genug war, um denken zu können, dann dachte sie an nichts als an Ihr Kommen. Und — still! Da ist der alte Herr.“

Trefusis blickte sich um und sah Mr. Jansenius, dessen hübsches Gesicht blaß und entstellt von Kummer und Unruhe war. Er wich vor der hingestreckten Hand seines Schwiegersohnes zurück wie ein zu sehr gequältes Kind vor einem unzeitigen Versuch, es zu liebkosen. Trefusis hatte Mitleid mit ihm. Die Wärterin hustete und zog sich zurück.

„Haben Sie mit Mrs. Jansenius gesprochen?“ fragte Trefusis.

„Ja,“ antwortete Jansenius in beleidigendem Tone.