„Ich nehme an, Sie haben reichlich gezeichnet,“ sagte Erskine. „Das war doch eine Gelegenheit, auch praktisch etwas Gutes zu tun.“
„Ich hab es nicht getan,“ sagte Trefusis und lächelte über den Spott. „Diese Transkanadische Eisenbahngesellschaft hat von der kanadischen Regierung eine große Menge mageres Land umsonst erhalten. Sie hält es nun für eine gute Idee, englische Arbeiter dort anzusiedeln und eine Rente von ihnen zu beziehen. Viele englische Arbeiter, die durch Maschinen, billige fremde Arbeit oder durch sonst etwas brotlos geworden waren, wollten gerne gehen. Da sie aber die Überfahrt nach Kanada nicht bezahlen konnten, wandte sich die Gesellschaft an die öffentliche Mildtätigkeit, durch Unterzeichnung für sie zu bezahlen, da der Wechsel ihre elende Lage verbessern werde. Ich sah aber nicht ein, warum ich Geld ausgeben sollte, um eine reiche Gesellschaft mit Farmern zu versehen, und ich sagte das auch Jansenius. Er entgegnete, wenn es auf Geld und nicht auf Redensarten ankäme, dann würden die englischen Arbeiter bald einsehen, wer ihre wirklichen Freunde seien.“
„Ich verstehe nichts von solchen Fragen,“ sagte Sir Charles und machte ein Gesicht, als ob er etwas Überzeugendes vorbrächte. „Aber ich sehe nicht ein, was man gegen die Auswanderung vorbringen könnte.“
„Die Idee der Auswanderung,“ entgegnete Trefusis, „ist wirklich eine für uns gefährliche. Machen Sie den Arbeiter erst damit vertraut, dann wird er eines Tages einsehen, was für eine famose Sache das ist, wenn er mich und Sie und das Oberhaus mit der ganzen Sippe müßiger Besitzer nach St. Helena verschickt und uns als Entschädigung ein reizendes Geschenk mit der Insel macht. Wir sind solch ein ruheloses, unglückliches Geschlecht, daß ich nicht weiß, ob das Ganze nicht auch für uns gut sein werde. Die Arbeiter würden nichts verlieren außer dem Anblick unserer eleganten Person, unserer feinen Manieren und unseres delikaten Geschmacks. Vielleicht schützen sie sich gegen diesen Verlust, indem sie ein paar von uns herauswählen und als Zierrat benutzen. Keine Nation, die Sinn für Schönheit hat, würde Lady Brandon oder Miß Lindsay oder Miß Wylie verjagen.“
„Solch ein Unsinn!“ sagte Jane.
„Sie werden es kaum glauben, wieviel Geld ich schon ausgegeben habe, um Arbeiter ins Ausland zu senden, trotzdem das ja nach meiner Ansicht nicht im Interesse des Landes liegt,“ fuhr Trefusis, zu Erskine gewandt, fort. „Sobald ich einen Arbeiter bekehrt habe, benutzt er die erstbeste Gelegenheit, um irgendwo in einer Rede seine neuen Ansichten darzulegen. Sein Brotherr entläßt ihn dann, er gibt ihm den Laufpaß, wie man sagt. Die Entlassung ist das Schwert des Kapitalisten, und der Hunger hält es stets scharf für ihn. Sein Schild ist das Gesetz, das durch seine eigene Klasse ausdrücklich zu dem Zwecke gemacht ist. So gewappnet, ruiniert er meinen armen Bekehrten, und dieser kommt in seinem Elend zu mir und bittet um meine Hilfe. Da ich ihm für sein ganzes Leben keine Rente bezahlen kann, schaffe ich ihn mir vom Halse, indem ich ihm helfe, auszuwandern. Manchmal geht es ihm gut, und er bezahlt mir das Geld zurück. Mitunter höre ich auch nichts mehr von ihm, oder er kommt, wie er vorher gewesen war, wieder zurück. Ein Mann, den ich nach Amerika sandte, erwarb sich ein Vermögen, aber er war kein Sozialdemokrat. Er war ein Handlungsgehilfe, der eine Unterschlagung gemacht hatte und sich an mich um eine Unterstützung wandte, weil er glaubte, ich halte es für eine sehr verdienstliche Sache, einem Kapitalisten die Kasse zu bestehlen.“
„Er war jedenfalls ein praktischer Sozialist,“ sagte Erskine.
„Im Gegenteil, er war ein etwas zu habgieriger Individualist. Aber wie es auch sei, ich ermöglichte es ihm, seine Unterschlagung wieder gut zu machen — in der City kann man jede Unterschlagung wieder gut machen, wenn man das Geld zurückzahlt — und nach Neuyork zu gehen. Aber er wußte es besser als ich, denn er erwarb sich ein Vermögen, indem er mit Geld spekulierte, das nur in der Einbildung derer existierte, mit denen er Geschäfte machte. Er hat mir nie etwas zurückbezahlt. Er ist offenbar ein viel zu guter Geschäftsmann, um Geld zurückzuzahlen, das man ihm nicht durch gesetzliche Mittel oder Abschneidung des Kredits abnehmen kann. Mr. Erskine,“ fügte Trefusis, zu dem Dichter gewandt, mit ruhigerer Stimme hinzu, „es ist unrecht, daß Sie gegen Ihre eigene Natur die Partei von Halunken und Glücksjägern nehmen, selbst wenn diese von einem Mann angegriffen werden, der das Photographieren dem Radieren vorzieht.“
„Aber ich versichere Ihnen — Sie mißverstehen mich wirklich,“ sagte Erskine verwirrt. „Ich —“ Er stockte, blickte Sir Charles um Hilfe an und sagte dann lebhaft: „Ich zweifle nicht, daß Sie völlig recht haben. Ich hasse Geschäfte und Geschäftsmenschen, und was die sozialen Fragen angeht, so habe ich da nur einen Glaubensartikel, daß das einzige Schöne im Menschenleben die schöne Kunst ist.“
„Und ich glaube, daß das einzige Schöne in der Kunst das Menschenleben ist. Die Kunst wächst, wenn die Menschen wachsen, und sie verkommt, wenn die Menschen verkommen. Was ist Ihre Meinung?“