[Dreizehntes Kapitel.]

Eines Morgens erhielt Gertrude von ihrem Vater einen Brief:

Meine liebe Gerty, ich habe grade von Madame Smith eine Rechnung von 110 Pfund für Deine Kleider erhalten. Darf ich mir vielleicht die Frage erlauben, wie lange das noch so weitergehen soll? Ich brauche Dir wohl nicht zu erzählen, daß ich nicht die Mittel habe, eine solche Verschwendung noch fernerhin zu unterstützen. Ich bin, wie Du weißt, immer ängstlich besorgt, daß Du Deiner Stellung entsprechend auftreten kannst. Aber wenn das nicht anders geht, als daß ich dabei jede Saison Hunderte von Pfund an Madame Smith wegwerfen muß, dann ist es besser, wenn Du die Gesellschaft aufgibst und zu Hause bleibst. Ich kann es tatsächlich nicht aufbringen. Soviel ich sehe, hat das ganze Gesellschaftsleben Dir nicht viel genützt. Vorigen Monat mußte ich 500 Pfund bei Franklands erheben, und es wäre noch schöner, wenn ich noch mehr erheben müßte, um Deine Kleidermacherin zu bezahlen. Wenn Du wenigstens eine Privatperson beschäftigtest, oder eine, die keine solche Preise macht. Madame Smith erklärt mir, sie will nicht länger warten, und sie verlangt für jedes einzelne Kleid 60 Pfund. Ich hoffe, Du hast mich jetzt richtig verstanden, daß diese Sache ein Ende haben muß.

Ich höre von Deiner Mutter, daß sich der junge Erskine mit Dir bei den Brandons aufhält. Ich halte nicht viel von ihm. Er ist nicht wohlhabend und wird es auch kaum werden, da er sich mit Poesie und dergleichen abgibt. Und dann habe ich gehört, daß ein Mann namens Trefusis jetzt sehr oft Beeches besucht. Er muß ein Narr sein, denn er trat bei der letzten Wahl in Birmingham als Kandidat auf und erhielt ganze zweiunddreißig Stimmen, weil er sich als Sozialdemokrat oder mit einem ähnlichen ausländischen Unsinn bezeichnete, statt wie ein Mann zu sagen, er sei ein Radikaler. Ich glaube, der Name blieb ihm in der Kehle stecken, denn seine Mutter war eine von den Howards auf Breconcastle. So fließt gutes Blut in ihm, obgleich sein Vater ein Niemand war. Ich wollte, er hätte Deine Rechnungen zu bezahlen. Er kann mich zehnmal kaufen und verkaufen, trotz meiner fünfundzwanzig Jahre Staatsdienst.

Da ich vorhabe, das Haus etwas instand setzen zu lassen, so wäre es mir lieb, wenn Du diesen Monat noch nicht zurückkämst, falls Du Dich nur irgendwie bei den Brandons halten könntest. Empfehle mich ihm und bestelle seiner Frau meine freundlichsten Grüße. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du einige Schierlingblätter bekommen könntest und sie mir zuschicktest. Ich brauche sie für meine Salbe. Das Zeug, das die Apotheker verkaufen, taugt nichts. Deine Mutter leidet wieder an den Augen, und Dein Bruder Berkeley hat gespielt. Er scheint zu glauben, ich müßte seine Schulden bezahlen. Das alles macht mir vielen Kummer, und ich hoffe, daß Du bis zu Deiner Verheiratung vernünftiger bleibst und mir nicht mehr diese immerwährenden Rechnungen auf den Hals schickst. Du genießest das Leben und bist fern von allem Unangenehmen, aber es lastet doch schwer auf

Deinem Dich liebenden Vater

C. B. Lindsay.

Ganz schwache Falten, die ersten Anzeichen des beginnenden Alters, erschienen auf Gertrudes Gesicht, als sie den Brief las. Aber sie beeilte sich, die Grüße des Admirals ihren Wirtsleuten mitzuteilen, und besprach dann mit ihnen voll Mitgefühl den Gesundheitszustand ihrer Mutter. Nach dem Frühstück ging sie in die Bibliothek und schrieb ihre Antwort:

Brandon Beeches.
Dienstag.