„Sie fühlen sich nicht vollkommen wohl, und Sie wissen das auch. Aber wenn Sie tapfer kämpfen, werden Sie vielleicht auch ohne meine Hilfe gehen können, und die Anstrengung wird Ihnen gut tun.“

„Sie sind sehr grob,“ sagte sie hartnäckig.

„Ich weiß das,“ entgegnete er ruhig. „Sie werden drei Klassen von Männern finden, die höflich gegen Sie sind — Sklaven, Männer, die viel von Ihren Manieren und nichts von Ihnen selbst halten, und solche, die Sie lieben. Ich gehöre zu keiner von diesen und gebe Ihnen daher Ihre schlechten Manieren mit Zinsen zurück. Weshalb widerstehen Sie Ihrem besseren Selbst und unterdrücken solche aufrichtigen und natürlichen Regungen. Sie kommen oft genug über Sie und bringen in Ihr Gesicht einen Blick, der einen Bären zahm machen würde. Aber Sie beeilen sich, diesen Blick auszulöschen, wie ein Dieb seine Laterne auslöscht, sobald er nur einen Fußtritt hört.“

„Mr. Trefusis, ich bin nicht daran gewöhnt, mich belehren zu lassen.“

„Eben deswegen belehre ich Sie. Ich war neugierig, was aus Ihrer guten Erziehung, auf die Sie, wie ich glaube, großen Wert legen, wohl unter gänzlich neuartigen Umständen würde, zum Beispiel, wenn ein Mann Ihnen seine aufrichtige Meinung sagt. Was ist nun das Ergebnis meines Versuchs? Anstatt mich freundlich und würdig zurückzuweisen, was ich trotz aller früheren Beobachtungen von Ihnen erwartet habe, verbitten Sie sich in grober Weise die angebotene Hilfe, die Sie wirklich brauchen, nennen mich selbst sehr roh, sehr zudringlich und tun, kurz gesagt, was Sie können, um meine Lage unangenehm und demütigend zu machen.“

Sie sah ihn hochmütig an, aber in seinem Gesicht lag nichts von Beleidigung oder Furcht, und er fuhr, da sie keine Antwort gab, fort.

„Ich würde alles das von einer arbeitenden Frau ohne Einwendung ertragen, denn sie schuldet mir weder feines Benehmen noch feine Gefühle. Aber Sie sind eine Dame. Das heißt, viele haben sich in schmutzigem Elend abgequält und haben gehungert, damit Sie weiße und zarte Hände, schöne Kleider und feine Manieren haben — daß Sie eine lebende Quelle von allem sind, was die Natur und das Leben schön macht. Wenn ein solches kostbares Ding wie eine Dame bei der ersten Berührung durch eine feste Hand zusammenbricht, dann fühle ich mich berechtigt, sie zu beklagen.“

Gertrude ging schnell vorwärts und sagte zwischen den Zähnen: „Ich will nichts mehr von Ihren lächerlichen Ansichten hören, Mr. Trefusis.“

Er lachte. „Meine armen Ansichten!“ sagte er. „Jedesmal, wenn ich eine unbequeme Bemerkung mache, wird sie als Äußerung einer gewissen gefährlichen Verrücktheit, mit der ich behaftet sein soll, zur Seite geworfen. Wenn ich Sir Charles andeute, daß einer seiner Lieblingsmaler etwas nicht genau beobachtet hat, bevor er daranging, es zu zeichnen, dann entgegnet er: ‚Sie kennen unsere verschiedenen Ansichten über diese Dinge, Mr. Trefusis.‘ Als ich Miß Wylies Vormund sagte, sein Auswanderungsplan sei nicht viel besser als ein Betrug, meinte er: ‚Sie müssen mich entschuldigen, aber ich kann auf Ihre merkwürdigen Ansichten nicht eingehen.‘ Eine meiner augenblicklichen Ansichten ist die, daß Miß Lindsay unter dem Einfluß des Schierlings viel liebenswürdiger ist als unter dem des sozialen Systems, das sie so unglücklich gemacht hat.“

„Nun gut!“ rief Gertrude sehr beleidigt. Dann sagte sie nach einer Pause: „Ich glaubte, ich sei in der Begleitung eines Gentleman.“ Trefusis blieb völlig ungerührt, und sie fügte nach einer weiteren Pause hinzu: „Woran sehen Sie, daß ich unglücklich bin?“