„Es ist sehr hart, in seinem eigenen Hause ein Esel genannt zu werden.“
„Es ist noch härter, als ein solcher behandelt zu werden, wie es deinem Mann geschieht. Ich werde im Billardzimmer nach ihm sehen.“
Jane lief hinter ihr her und faßte sie beim Ärmel. „Agatha,“ bat sie, „versprich mir, daß du nicht gemein bist. Sage, daß du dich nicht in ihn verliebst.“
„Ich will es mir überlegen,“ entgegnete Agatha ernst.
Jane sank stöhnend in einen Sessel, der unter ihrem Gewicht krachte. Agatha wandte sich auf der Schwelle um, und als sie sah, wie Jane den Kopf schüttelte, die Augen zusammenpreßte und in unterdrückter Wut mit den Absätzen auf den Boden hämmerte, sagte sie schnell:
„Da kommen die Waltons und die Fitzgeorges und Mr. Trefusis die Treppe herauf. Wie geht es Ihnen, Mrs. Walton? Lady Brandon wird sich sehr freuen, Sie zu sehen. Guten Abend, Mr. Fitzgeorge.“
Jane sprang auf, wischte sich die Augen und lief zu einem Spiegel, während sie sich mit den Händen die Haare ordnete. Da aber keine Besucher erschienen, begriff sie, daß sie wieder und vielleicht zum hundertstenmal in ihrem Leben einem Schelmenstreich Agathas zum Opfer gefallen war. Diese war befriedigt, weil ihr Versuch, die alte Herrschaft über Jane wiederzugewinnen, geglückt war. Sie hatte es selbst nicht geglaubt, obgleich sie sich ganz ruhig gestellt hatte. Jetzt ging sie hinunter in die Bibliothek, wo Sir Charles in traurigem Brüten saß und versuchte, seinen häuslichen Ärger durch Beschäftigung mit der Kunstkritik zu vergessen.
„Ich dachte, Sie wären im Billardzimmer,“ sagte Agatha.
„Ich habe nur flüchtig hineingeschaut,“ entgegnete er. „Aber es scheint da etwas Besonderes vorzugehen, und ich hielt es für das Beste, mich davonzuschleichen. So bin ich die ganze Zeit allein geblieben.“
Das Besondere, was Sir Charles nicht unterbrechen wollte, war weiter nichts als eine Partie Billard. Es war die erste Gelegenheit, die Erskine jemals gehabt hatte, mit Gertrude allein und in Muße zu sprechen. Doch war ihre Unterhaltung noch nie eine so alltägliche gewesen. Sie liebte das Spiel und spielte gut, während sie gleichgültig plauderte. Er spielte schlecht und brachte gegen seinen Willen die trivialsten Gesprächsstoffe vor. Nachdem sie anderthalb Stunden gespielt hatten, sagte Gertrude, daß jetzt das letzte Spiel komme. Er dachte voller Verzweiflung, wenn er so weiter die Bälle ausließ, dann mußte die Partie bald zu Ende sein, und dann hatte er eine Gelegenheit, die vielleicht niemals wiederkam, unbenutzt vorbeigehen lassen. Er beschloß, ihr ohne weitere Einleitung zu sagen, daß er sie anbete. Als er aber seine Lippen öffnete, kam ganz von selbst eine Frage über die persische Art, Billard zu spielen, heraus. Gertrude war nie in Persien gewesen, aber sie hatte im Indischen Museum einige orientalische Queues gesehen. Hatten nicht die Hindu eine wunderbare Fähigkeit, Filigranarbeit, Teppiche und dergleichen anzufertigen? Ob er nicht auch der Ansicht sei, daß die Verschrobenheiten ihrer Teppichmuster ein Mangel seien? Viele Leute gäben vor, grade das zu bewundern, aber sei das nicht alles Unsinn? War nicht ein moderner, gebohnter Fußboden mit einem Teppich in der Mitte viel besser als der alte Teppich, der in den Ecken des Zimmers angebracht wurde? Ja. Viel besser. Unendlich —