Sallusts Haus war viereckig und hatte einen zimtbraunen Anstrich. Unter dem Gesims war ein gelber Fries mit Figuren von tanzenden Kindern, eine Nachahmung von Bildern Donatellos in sehr ungeschickter Ausführung. Dann war da eine armselige Säulenhalle von vier Säulen, rot angestrichen, und ein schmuckloser, gelb angestrichener Giebel. Die Farben, die zu dem Anstrich der Wände passen sollten, standen in Wirklichkeit dazu in einem schreienden Widerspruch. Sie waren von einem offenbar farbenblinden Künstler frisch erneuert worden. Die Türe unter dem Säulengang stand offen. Sir Charles klingelte, und eine ältere Frau meldete sich. Aber bevor sie die Besucher anreden konnte, erschien Trefusis in einem weißen, baumwollenen Malerkittel. Sie folgten ihm ins Haus und fanden, daß es ein leeres Viereck bildete, das einen Hof mit einem Bad in der Mitte und einem Brunnen darin einschloß. Der Hofraum, der früher unter freiem Himmel gestanden hatte, war jetzt mit einem schmutzigen Glasdach bedeckt. Die Nymphe, die einst das Wasser des Brunnens ausgegossen hatte, war beschädigt und trocken. Das Bad war zum Teil mit alten Brettern bedeckt, der freie Raum enthielt in einer Ecke einen Haufen Kohlen, in der andern einen Haufen Kartoffeln, ferner ein Bierfaß, ein paar alte Teppiche, ein Segeltuch und einen zerbrochenen Nachen. Der Marmorboden erstreckte sich bis zu den Außenwänden des Hauses und war an den Seiten durch die oberen Stockwerke überdacht, die durch gerillte, steinerne Säulen getragen wurden. Die Säulen waren alle beschmutzt und zerfallen. Trefusis führte seine Besucher zu einem breiten Treppenhaus, das an der Hinterwand des Hauses lag und durch einen Gang zu den oberen Räumen führte.

„Dieses Haus ist im Jahre 1780 von einem Vorfahren meiner Mutter erbaut worden,“ sagte Trefusis. „Er galt für einen Mann von auserlesenem Geschmack. Er wollte, dieses Haus sollte für immerdar — er gebrauchte in seinem Testament ausdrücklich dieses Wort — als Familiensitz gelten, und er sammelte eine schöne Bibliothek, die ich gut gebrauchen konnte, denn alle die Bücher kamen in gutem Zustande in meinen Besitz, bei den meisten waren nicht einmal die Blätter beschnitten. Es gibt Leute, die grade für unaufgeschnittene Bücher von alten Ausgaben hohe Preise bezahlen. Ein Händler gab mir für einen Teil von ihnen dreihundertundfünfzig Pfund. Ich kam auch in Besitz einer Anzahl Familienfetische — oder Erbstücke, wie man sie nennt. Da war noch ein Schwert, das einer meiner Vorfahren bei Edgehill und in andern Schlachten zur Zeit Karls des Ersten trug. Wir kämpften natürlich auf der verkehrten Seite, aber das Schwert brachte doch fünfunddreißig Schilling ein. Sie werden es kaum glauben, daß mir hundertundfünfzig Pfund für einen goldenen Becher angeboten wurden, der ungefähr fünfundzwanzig wert war, nur weil einmal die Königin Elisabeth daraus getrunken hat. Dies ist mein Arbeitszimmer, es war als Festsaal gedacht.“

Sie betraten einen Saal, der so lang war wie die Front des Hauses. An einer Seite befanden sich vier hohe Fenster. Dazwischen standen eckige Pfeiler mit den korinthischen Kapitälen, die das Gesims trugen und halb in die Wand hineingesunken waren. Ähnliche Pfeiler befanden sich auf der gegenüberliegenden Seite, aber zwischen ihnen waren anstatt der Fenster Bogennischen angebracht. In den Nischen standen lebensgroße Gipsfiguren, alle zerbrochen und unglaublich entstellt. Der Fußboden war aus schräg gestellten, schmalen Parketthölzern zusammengesetzt. Er hatte keinen Teppich und war nicht gebohnt. Die Decke war mit Fresken geschmückt, die sofort Sir Charles’ Interesse erregten. Mit Unwillen entdeckte er, daß ein großer Teil der Malerei an der nördlichen Seite des Zimmers zerstört und durch ein eingesetztes Glasdach entstellt war. An andern Stellen waren Haken hineingetrieben, um die Seile eines Trapezes und anderer Stücke eines gymnastischen Apparats zu tragen. Die Wände waren geweißt, und es erschien ungefähr vier Fuß über dem Boden ein dunkler Streifen, der von Bleistiftnotizen und kleinen Zeichnungen herrührte, die auf den weißen Grund gekritzelt waren. Das eine Ende des Raumes war unmöbliert, nur ein gymnastischer Apparat befand sich da, eine photographische Dunkelkammer, eine Leiter, die in der Ecke stand, und ein gewöhnlicher, billiger Tisch, der mit Ölkannen und Farbentöpfen bedeckt war. Am andern Ende des Raumes hatte man einen fast luxuriösen Anblick. Es standen da ein großer Bücherschrank, eine kunstvolle Verbindung von Sekretär und Schreibtisch, ein Gestell mit einem Gewehr, einem Satz Rapieren und einem Schirm daran. Auf einem Tisch befanden sich verschiedene Albums in Folioformat; einige bequeme Stühle und Sofas und ein dicker Teppich vervollständigten die Einrichtung. Dicht dabei und gar nicht dazu passend stand eine Tischlerbank mit dem gewöhnlichen Zubehör und eine Anzahl von Brettern verschiedener Stärke.

„Das ist eine Art Bequemlichkeit, die sich nur ein reicher Mann leisten kann,“ sagte Trefusis, sich umwendend, und überraschte seine Besucher dabei, wie sie sich Blicke des Erstaunens über seinen Geschmack zuwarfen. „Ich halte mir einen Salon der gewöhnlichen Art, um Gäste zu empfangen, gegen die man konventionell sein muß, aber ich betrete ihn nur bei solchen Gelegenheiten. Wie gefällt Ihnen dieses Arbeitszimmer?“

„Wirklich, Trefusis, ich glaube, Sie sind verrückt,“ sagte Sir Charles. „Das Zimmer sieht aus, als ob es eine Belagerung durchgemacht hätte. Wie haben Sie das angefangen, diese Statuen so zu zerbrechen und die Wände in einer so schrecklichen Weise zu beschädigen?“

Trefusis nahm eine Zeitung von dem Tisch und sagte:

„Hören Sie, bitte: ‚Trotz des ungünstigen Wetters war das Jagdergebnis des Kaisers und seiner Gäste in Steiermark ein ausgezeichnetes. In drei Tagen wurden zweiundfünfzig Gemsen und neunundsiebzig Hirsche und Rehe durch neunzehn einläufige Gewehre erlegt, da der Kaiser keine andern erlaubte.‘ — Ich teile die Lust des Kaisers am Schießen, aber ich bin kein Schlächter und brauche den königlichen Geschmack am Blut für meinen Sport nicht. Und ich teile auch nicht den Geschmack meines Vorfahren an Statuen. Deshalb —“ Hier öffnete Trefusis eine Schublade, zog eine Pistole heraus und feuerte nach der Hebe, die in der entferntesten Nische stand.

„Gut gemacht!“ sagte Erskine kühl, als das letzte Bruchstück von Hebes Kopf unter der Berührung mit dem Geschoß in Splitter ging.

„Eine sehr nutzlose Arbeit,“ sagte Trefusis. „Ich bin ein guter Schütze, aber was nützt mir das? Nichts. Ich traf einmal einen Wildhüter, einen Methodisten. Er war ein ganz ausgezeichneter Redner, aber ein schlechter Schütze. Wenn er seine Anlagen mit meinen hätte austauschen können, ich würde ihm gerne zehntausend Pfund zugegeben haben, obgleich er schon bei dem Austausch an sich ebensoviel Vorteil gehabt hätte wie ich. Ich habe nicht mehr Verlangen oder Bedürfnis, ein guter Schütze zu sein, als König von England oder Eigentümer eines Derbysiegers oder sonst einer komischen Sache, und doch habe ich nie in meinem Leben mein Ziel verfehlt — dank meiner Verhältnisse ohne Zweck!“

„König von England!“ sagte Erskine mit verächtlichem Lachen, um Trefusis zu zeigen, daß andere Leute ebenso freiheitliebend seien als er. „Ist es nicht lächerlich, daß sich eine Nation seiner Freiheit rühmt und doch einen König erträgt?“