Erskine mußte sich ein paarmal zusammennehmen, bevor er lesen konnte. „Sie waren ein Narr, daß Sie dieses Schriftstück unterzeichnet haben,“ sagte er. „Ich habe es Ihnen damals schon gesagt.“

„Ich verließ mich darauf, daß der Bursche ein Gentleman sei,“ sagte Sir Charles erregt. „Ich sehe nicht ein, daß ich ein Narr war. Ich sehe nur, daß er ein ungehobelter Patron ist, und wegen der Sache mit Miß Wylie möchte ich ihm meine Meinung sagen. Ich will Ihnen nur sagen, Chester, daß er mit Miß Lindsay ein falsches Spiel gespielt hat. Oben ist der Teufel los. Sie hat grade Jane erzählt, daß sie sofort nach Hause fahren muß. Miß Wylie erklärt, sie wolle nichts mit Trefusis zu tun haben, wenn Miß Lindsay ein früheres Anrecht an ihn habe, und Jane ist entrüstet, weil er alle Welt bewundert, nur sie nicht. Es geschieht mir recht. Mein Instinkt warnte mich von Anfang an vor diesem Kerl.“

Grade jetzt wurde das Essen angekündigt. Gertrude kam nicht herunter. Agatha war schweigsam und verdrießlich. Jane versuchte von Erskine einen Bericht über sein Zusammentreffen mit Gertrude zu bekommen, aber er enttäuschte ihre Neugierde, indem er aus seiner Beschreibung alles ausließ, was über alltägliche Redensarten ging.

„Ich finde ihr Benehmen sehr seltsam,“ sagte Jane. „Sie besteht darauf, mit dem Vieruhrzug abzufahren. Ich betrachte das als eine Unhöflichkeit gegen mich, besonders da sie immer so viel auf ihr feines Benehmen gegeben hat. So etwas ist mir noch nicht vorgekommen!“

Nach Tisch gingen sie zusammen in das Gesellschaftszimmer und waren kaum dort angelangt, als Trefusis gemeldet wurde. Er war auch schon im Zimmer, ehe sie die Bestürzung verbergen konnten, die sein Name auf ihren Gesichtern hervorrief.

„Ich komme, um mich zu verabschieden,“ sagte er. „Ich finde, daß ich mit dem Vieruhrzug zur Stadt fahren muß, um meine Angelegenheiten persönlich in Ordnung zu bringen. Die Telegramme, die ich erhalten habe, reden nur von Aufschub. Haben Sie die ‚Times‘ gelesen?“

„Gewiß habe ich das,“ sagte Sir Charles nachdrücklich.

„Sie stehen auch schon in einigen anderen Zeitungen und werden im Laufe der nächsten vierzehn Tage noch in ein weiteres halbes Dutzend hineinkommen. Leute, die sich zu einer Ansicht bekannt haben, haben immer Ärger mit den Zeitungen, einige, weil sie nicht hineinkommen können, andere, weil man sie nicht draus läßt. Wenn Sie ein donnerndes revolutionäres Manifest erlassen hätten, keine Tageszeitung würde es wagen, darauf anzuspielen. Es gibt doch keine Feigheit, wie die Feigheit vor der Fleetstreet! Ich muß forteilen, Ich habe noch viel zu tun, bevor ich abreise, und es geht auf drei Uhr an. Adieu, Lady Brandon, und die andern.“

Er schüttelte Jane die Hand, nickte den andern einzeln zu, wobei er zu Agathas Gunsten keine Ausnahme machte, und eilte hinaus. Sie starrten ihm einen Augenblick nach, und dann rannte Erskine hinaus und die Treppe hinunter, indem er immer zwei Stufen auf einmal nahm. Trotzdem mußte er bis zur Allee laufen, bis er seinen Mann einholte.

„Trefusis,“ sagte er atemlos, „Sie dürfen nicht mit dem Vieruhrzug fahren.“