„Bitte, warum denkst du das?“ fragte Agatha etwas erregt.

„Du mußt es sein, sonst wäre Miß Wilson nicht böse über dich! Natürlich, nach deiner eigenen Darstellung bist du immer im Recht, und alle andern haben unrecht. Aber du hättest das nicht in das Buch hineinschreiben sollen. Du weißt, ich spreche als deine Freundin.“

„Bitte, was weiß deine armselige kleine Seele von meinen Gedanken und Gefühlen?“

„So schwer ist das nicht, dich zu verstehen,“ entgegnete Gertrude gereizt. „Eigendünkel ist keine solche seltene Sache, daß man ihn nicht erkennen könnte. Und denke daran, Agatha Wylie,“ fuhr sie, wie von einer unerträglichen Erinnerung angestachelt, fort, „wenn du wirklich fortgehst, dann ist es mir gleich, ob wir als Freundinnen scheiden oder nicht. Ich hab den Tag nicht vergessen, da du mich eine boshafte Katze nanntest.“

„Ich habe es bereut,“ sagte Agatha ruhig. „Ich habe mich einmal hingesetzt und Bacchus beobachtet, der auf dem Feuerplatz saß. Er blickte mit seinen träumerischen Augen so gedankenvoll und geduldig in die Ferne, daß ich ihn um Verzeihung bat, weil ich ihn mit dir verglichen habe. Wenn ich ihn eine boshafte Katze nannte, er würde es mir einfach nicht glauben.“

„Weil er wirklich eine Katze ist,“ sagte Jane mit dem Lächeln, das meist so schnell auf Tränen folgt.

„Nein, aber weil er nicht boshaft ist. Gertrude bewahrt ein Sündenbuch in ihrem eigenen kleinen Kopf, und es ist so voll von andrer Leute Sünde — alle in großen Buchstaben hineingeschrieben und durch ein Vergrößerungsglas zu lesen — daß sie keinen Platz hat, ihre eigenen einzutragen.“

„Du drückst dich sehr poetisch aus,“ sagte Gertrude. „Aber ich verstehe, was du meinst, und ich werde es nicht vergessen.“

„Du undankbarer Wicht,“ schrie Agatha, indem sie sich so plötzlich und heftig gegen sie wandte, daß sie unwillkürlich zur Seite wich. „Wie oft habe ich nicht, wenn du unverschämt und falsch gegen mich sein wolltest, deinen bösen Engel vertrieben, indem ich dich kitzelte? Hattest du, bevor ich hierher kam, eine Freundin in der Anstalt, außer einem halben Dutzend Bauernmädchen? Und jetzt, weil ich dich manchmal zu deinem eigenen Nutzen auf deine Fehler aufmerksam gemacht habe, hegst du Groll gegen mich und sagst, es sei dir gleichgültig, ob wir als Freundinnen scheiden oder nicht!“

„Das habe ich nicht gesagt.“