Als sie sicher unter der Veranda waren, die einen keuchend und murrend, die andern lachend und froh, weil sie einen solchen Zufluchtsort gefunden hatten, bemerkte Miß Wilson etwas beunruhigt einen Spaten, der neu war wie die Haken am Tor und aufrecht in einem Stück frisch umgegrabener Erde steckte. Sie wollte grade etwas über dieses Anzeichen, daß hier Leute wohnten, sagen, als die Türe der Hütte aufgestoßen wurde und Jane einen lauten Schrei ausstieß. Ein Mann trat heraus und ging auf den Spaten los, den er offenbar nicht im Regen stehen lassen wollte. Dann bemerkte er die Gesellschaft unter der Veranda und stand vor Erstaunen still. Er war ein junger Arbeiter mit rötlichbraunem Bart, der kaum eine Woche gewachsen war. Er trug Manchesterhosen und eine Manchesterweste mit Leinenärmel, alles neu wie der Spaten und die Haken. Ein grobes, blaues Hemd mit einem gewöhnlichen, rot und orangefarbenen Halstuch, die ebenfalls neu waren, vervollständigten seine Kleidung. Und um sich vor dem Regen zu schützen, hatte er einen seidenen Schirm mit silberbeschlagenem Ebenholzgriff aufgespannt, zu dem er kaum auf ehrliche Weise gekommen sein konnte. Miß Wilson war es wie einem Knaben zumute, den man im Obstgarten erwischt hat, aber sie nahm trotzdem eine kühne Miene an und sagte:
„Gestatten Sie uns, daß wir hier untertreten, bis der Regen vorbei ist?“
„Selbstverständlich, Eure Gnaden,“ antwortete er, indem er respektvoll mit dem Handgriff seines Spatens sein Haar zurückstrich, das bis zu den Augenbrauen heruntergekämmt war. „Eure Gnaden machen mich stolz, daß Sie vor der Unbarmherzigkeit der Stürme in meiner armseligen Hütte Zuflucht nehmen.“ Seine Worte waren seltsam, seine Aussprache war barbarisch, und wie ein schlechter Schauspieler schien er grade daran Gefallen zu finden. Während er sprach, trat er ebenfalls unter die Veranda und lehnte den Spaten gegen die Wand, indem er den Lehm von seinen schweren, genagelten Schuhen trat, die ebenfalls neu waren.
„Ich kam heraus, geehrte Dame,“ fuhr er sehr mit sich selbst zufrieden fort, „um meinen Spaten zu holen, durch den ich mir ja meinen Unterhalt gewinne. Was die Feder für den Dichter, das ist der Spaten für den Arbeiter.“ Er nahm das Halstuch von seinem Nacken, wischte sich die Schläfen, als ob der Schweiß ehrlicher Arbeit daran klebte, und legte es sich ruhig wieder um.
„Entschuldigen Sie eine Bemerkung von einem gewöhnlichen Mann,“ sagte er, „Eure Gnaden haben da eine nette Familie von Töchtern.“
„Es sind nicht meine Töchter,“ sagte Miß Wilson sehr kurz.
„Vielleicht Schwestern?“
„Nein.“
„Ich dachte — vielleicht — weil ich selbst ne Schwester hab. Nicht als ob ich auch in Gedanken sie damit vergleiche — sie ist nur ein gewöhnliches Weib — so gewöhnlich, wie Sie nie keine gesehen haben. Aber die Weiber erheben sich selten über das Gewöhnliche. Letzten Sonntag, da unten in der Dorfkirche, hörte ich den Pfarrer sagen, daß er einen Mann unter Tausend gefunden hat. ‚Doch ein Weib unter all diesen‘, sagte er, ‚habe ich nicht gefunden,‘ und ich denke so bei mir: ‚Recht hast du!‘ Aber der Henker holt mich, wenn er je Eure Gnaden gesehen hat.“
Ein Lachen, das ganz fein wie ein Husten herauskam, entschlüpfte Miß Carpenter.