„Die ganze Gegend weiß es, Miß, und verehrt Sie. Als Schmied kommt mir keiner gleich, und wenn Sie eine geschlagene Medaille brauchen, um sie für gutes Betragen oder dergleichen zu vergeben, ich glaube, ich würde Sie schon zufriedenstellen. Und wenn Eure Gnaden geschmuggelte Spitzen brauchen —“

„Nehmen Sie sich lieber etwas in acht, damit Sie nicht in Ungelegenheiten kommen,“ sagte Miß Wilson streng. „Sagen Sie dem Kutscher, er sollte abfahren.“

Die Wagen setzten sich in Bewegung, und Smilasch nahm sich die Freiheit, seinen Hut hinter ihnen her zu schwenken. Dann kehrte er zu dem Landhaus zurück, brachte den Schirm hinein und schloß die Türe, als er wieder herausgekommen war. Er steckte den Schlüssel in die Tasche und schritt durch den Regen über den Hügel davon, ohne von den erstaunten Geistlichen auch die mindeste Notiz zu nehmen.

Inzwischen konnte sich Miß Wilson nicht enthalten, ihrem Unwillen über Agathas Verschwendung Luft zu machen, und sie erzählte es den Mädchen in der Kutsche. Aber Jane erklärte, daß Agatha überhaupt nur drei Pence besäße, und daß sie daher unmöglich dem Mann dreißigmal soviel hätte geben können. Als sie zu Hause waren und Agatha von Miß Wilson befragt wurde, öffnete sie erstaunt die Augen und erklärte lachend: „Ich hab ihm nur drei Pence gegeben. Er hat mir vier Schilling und neun Pence als Geschenk geschickt!“


[Viertes Kapitel.]

Der Samstag, der schon an und für sich ein halber Feiertag ist, war in der Anstalt zu Alton ein vollständiger. Des Morgens gab es nur Unterricht im Turnen, Tanzen, Zeichnen und im Vortrag, und der Nachmittag wurde mit Tennisspielen verbracht. Hierzu waren dann Damen aus der Nachbarschaft eingeladen, die ihre Ehegatten, Brüder oder Väter mitbringen durften, denn Miß Wilson wollte ihre Zöglinge nicht mit der komischen Unbeholfenheit von Schulmädchen, die an keine Gesellschaft gewöhnt sind, in die Welt schicken.

Ende Oktober kam aber ein Samstag, der sich für Miß Wilson durchaus nicht als ein Feiertag erwies. Um halb zwei, als der Lunch vorbei war, ging sie hinaus auf den Rasenplatz, der zwischen der Südseite des Gebäudes und einer Anpflanzung von Buschwerk lag. Hier fand sie eine Gruppe Mädchen, die Agatha und Jane zusahen, wie sie eine Rasenwalze hinter sich herschleiften. Eine von ihnen schleuderte mit einem Racket einen Ball empor und warf ihn zufällig in das Gebüsch hinein, aus dem dann zum Erstaunen der Gesellschaft Smilasch auftauchte. Er hatte den Ball in der Hand, kniff ein Auge zu und sagte, obgleich er nur ein gewöhnlicher Mann sei, hätte er doch Gefühle wie jeder andere, und sein Auge sei schließlich weder aus Stein noch aus Holz. Er war wie früher gekleidet, aber sein Anzug, der mit Lehm und Kalk beschmutzt war, sah jetzt nicht mehr neu aus.

„Bitte, was wollen Sie hier?“ fragte Miß Wilson.

„Ich glaubte wahrhaftig, Sie hätten nach mir geschickt, Lady“ antwortete er. „Der Bäckerjunge sagte es mir, als er heute morgen meine niedrige Hütte betrat. Hätte nie gedacht, daß er mich belügen könnte.“