„Aber ich will nicht, daß du fortgehst. Ich lasse dich nicht gehen,“ sagte sie, und ein Zug von Heftigkeit mischte sich in ihr Flehen. „Warum willst du mich verlassen, wenn du mich liebst?“

„Wie soll ich das wissen? Ich kann dir ebensowenig das Wie und Warum meines Handelns erklären, wie ich mich selbst an einem Gürtel hochheben und in eine andere Provinz bringen kann, was man ja gegen die eingewendet hat, die das Perpetuum mobile erfinden wollen. Ich bin zu sehr Pessimist, um auf meine eigenen Gefühle Rücksicht zu nehmen. Weißt du, was ein Pessimist ist?“

„Ein Mann, der glaubt, die andern seien ebenso abscheulich wie er selbst, und der sie dafür haßt.“

„Ungefähr so. Die moderne englische feine Gesellschaft, von der ich ausgegangen bin, scheint mir so verdorben zu sein, wie sie nur bei ihrer Einbildung auf ihre Kultur und bei ihrem Mangel an Ehrenhaftigkeit sein kann. Ein scheinheiliger Mob, der die Lüge liebt, die Wirklichkeit haßt, der Unsinn schreibt und schwatzt, der nach Reichtum, Vergnügen und Berühmtheit jagt, der die Furcht vor der Hölle verloren hat, aber sie noch nicht durch die Liebe zur Gerechtigkeit ersetzt hat, ein solcher Pöbel strebt nur danach, sich den Löwenanteil vom Wohlstand zu sichern, und er erpreßt ihn aus den Händen der Gesellschaftsklassen, die ihn schaffen, indem er sie mit Verhungern bedroht. Wenn du mich mit törichten Redensarten unterbrichst, Hetty, werfe ich dich in den Kanal und sterbe nachher vor Kummer über meine verlorene Liebe. Du weißt, was ich nach der herkömmlichen Beschreibung bin: ein steinreicher Gentleman. Weißt du, welchen verruchten Ursprung dieses Geld und diese Vornehmheit haben?“

„Oh, Sidney, hast du irgend etwas getan?“

„Nein, meine innigst Geliebte, ich bin ein Gentleman und habe nichts getan. Daß ein Mann nichts zu tun braucht und doch nicht verhungert, das ist seltsamerweise kein Widerspruch. Jeder Pfennig, den ich besitze, ist gestohlenes Geld. Aber es war gesetzlich erlaubter Diebstahl, und was für dich von einigem praktischen Wert ist, ich könnte es den rechtmäßigen Eigentümern durchaus nicht zurückgeben, selbst wenn ich wollte. Weißt du, was mein Vater war?“

„Was geht uns das jetzt an? Sei nicht so abscheulich und voll von diesen lächerlichen Ideen, lieber Sidney. Ich habe nicht deinen Vater geheiratet.“

„Nein, aber du hast — natürlich nur zufällig — meines Vaters Vermögen geheiratet. Der Halsschmuck, den du da trägst, ist mit seinem Gelde gekauft, und ich kann fast die Blutflecken sehen —“

„Halt, Sidney. Ich kann diese Art von Übertreibung nicht leiden. Es ist alles Unsinn. Bitte, sei lieb zu mir.“

„Ich weiß, daß Schweißflecken daran sind.“